Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 119)
- Language
- German
- Belongs to
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59 *י*■־ der« die Angehörige eines dem Semitenthum feindlichen Stammes, nämlich Moabs. Es beweist dies ganz deutlich, daß nicht die Bolksnatur und nicht die Stammes-Eigenart den Juden macht, sondern die Gotteslehre, welche auf Fremde und Heimische sich erstreckt, als Inbegriff weltumfassender Heilswahrheir, erlösender Sittenthat. Hierin liegt, unserer Meinung nach, die Bedeutung der Ruth-Geschichte für die Feier des Festes der Offenbarung der Gotteslehre. Aber es sind noch zwei Gesichtspunkte, welche aus der Erzählung Ruth's gewonnen werden können: 1. daß unser jüdisches Bolk das Volk der Ideale ist, 2. daß es aus seiner idealen Anschaung heraus der Ewigkeit aus Erden lebt. Diese Punkte nunmehr zu erörtern, sei die Ausgabe der Festbetrachtung, welche der Gott des Geistes segnen möge in der Fülle seiner Liebe und.Gnade. Amen! I. Halten wir einmal das Bild der Ruth für Israel scst im Auge. Ein Zug im Leben der Ahnsrau Daoid's berührt uns sehr angenehm in unserer dem Ideal a b- und der materiellen Strömung ganz, und gar zugewandten Zeit, in der leider gar zu oft die Achtung vor der moralischen und geistig bedeutenden Persönlichkeit von dem irdischen Besitze abhängig gemacht, das höchste geistige Gut für irdische Bvrtheile preisgegeben wird. — Ist Israel materiell veranlagt? Keineswegs. Wie die Verstoßene aus Abrahams Haus, mußte das Stiefkind der Völker, Israel, die Wanderung in die Welt antreten. Sein, Brod war die Religion, sein Trank war die Gotteslehre. Was ist der ursprüngliche Beruf Israels? Mit der Lichtsäule des Gedankens am Tage, mit der Feuersäule der Ueberzeugung in der Nacht der Cultur und Freiheit durch die Wüste des Völkerlebens zu ziehen, vorbildlich zu sein in der Hoheit der Gottesidee, in der Seligkeit, welche die Gotteslehre ausstrahlt. Was hat aber in Israel einen seinem Wesen fremden Geist einziehen lassen? Man hat dem Volke