Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 112)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Beruf gemäß den Samen der Offenbarung über die weite Erde ausgestreuet hat. Aber ist denn etwa Israels Berus damit erfüllt, ist Israels Bestimmung damit abgeschlossen'? Wir müssen antworten, meine Freunde: .,So gewiß nicht, als das Geheimniß der Offenbarung dadurch allein noch nicht erschlossen ist." II. Denn außer ihrem Hinweis auf den Himmel giebt die Offenbarung auch einen Hinweis auf die Erde, außer ihrer richtigen Bestiminung von dem Berhältniß Gottes zu den Menschen bezeichnet sie auch aufs Genaueste das Berhältniß der Menschen zu Gott. Denn wie es oft geschieht, m. F, daß falsche Meinungen statt in die Wahrheit nur in ihren Gegensatz b. h. in eine andere darum aber nicht minder falsche Meinung Umschlagen; so ist es auch geschehen, daß jener Wahn des Heidenthums, der die Kluft zwischen Gott und Menschen zu sehr ausgetieft hat, im Laufe der Jahrhunderte die Menschheit auf den andern Jrrpfad drängte, jene Kluft bis zu ihrem völligen Verschwinden auszufüllen. Man verkannte, was zu erkennen die Aufgabe der Geschichte war, den großen Satz: ״daß die Himmel die Himmel des Ewigen bleiben und daß er den Menschen die Erde gegeben." Und an die Stelle dieser Wahrheit setzte man den neuen Wahn, der die Grenze zwischen Erde und Himmel aufhob, der die Scheidelinie zwischen Göttlichem und Menschlichem verrückte, der dem Menschen den Himmel und Gott die Erde anzuweisen wagte. Dem gegenüber stellten unsere Weisen Angesichts der Worte: ״Und Gott ließ sich herab auf den Berg Sinai",die besonnene Behauptung auf: מעולם לא ירדה שכינה ״ למטה, ומעולם לא עלה משה למרוםNie stieg die Gottheit auf die Erde nieder, und nie ist Mose in den Himmel aufgestiegen." Nicht etwa, daß unsere Weisen dadurch die Bibel Lügen strafen wollten, wollten sie vielmehr nur an die Grenze mahnen, die Göttliches und Menschliches auseinanderhalte. Denn die Verschiebung dieser Grenze, obgleich sie schon an sich eine Lästerung Gottes und eine Verkennung seines We-