Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 113)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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sens ist, führt zu einein noch weit größern Uebel, — und auch hiervon kann die Geschichte Zeugniß geben — daß man statt im Menschen das Menschliche zu veredeln, ihn in eine Sphäre reißt, in welcher, weil er ihr von Haus aus fremd ist, der freie frische Flügelschlag erlahmt, in welcher seine Kräfte unterliegen, in welcher seine Herzenstriebe, die ihn spornen und zur That beleben und seine Anlagen zur Entfaltung bringen sollten, ertödtet werden, und der schöne Bau verkümmert, wie der kalte Norden den frischen Farbenschmuck der Blume verduftet, die nur unter einer warmen Sonne erblühen kann. Denn gerade darin liegt die mißverstandene Bedeutung der Offenbarung, daß sie den Irdischen aus die Erde weist, wie die Schrift es selber angiebt: היל הארץ הראך את ״ אשו הגדולהauf der Erde hat er dich sehen lassen sein mächtiges Feuer". Aus der Erde, auf seinem natürlichen Schauplatz, da soll der Mensch wirken, das Irdische, sein natürliches Dasein, das soll er veredeln, da soll er ein Feuer entzünden, ein Feuer, das ihn erwärmen, nicht das ihn zerstören soll, ein Feuer, das nur die Schlacken, nicht auch das Erz verzehren soll, ein Feuer, das den Körper durchglühen und den Geist erleuchten, nicht aber den Geist ersticken und den Körper in Asche legen soll. Unsere Weisen erzählen, daß an jenem denkwürdigen Tage vom Sinai eine Wolke herniedergestiegen sei, aus welcher Moses sich in den Himmel ° hinausgeschwungen, um die göttliche Lehre zu empfangen. Aber die Engel, welche den Staubgeborenen die Lehre mißgönnten, hätten Moses den Weg versperrt, so daß er nicht durchzudringen vermochte und die Hilfe des Ewigen erflehte: ״Herr der Welt, ich fürchte mich, daß sie mich mit dem Feuerhauche ihres Mundes verbrennen." Aber da ermuthigte Gott den Moses und redete ihm zu: ״Halte dich au dem Thron meiner Herrlichkeit und weise sie zurecht." Und Mose ersaßte den göttlichen Thron und ermannte sich, d. h. er verließ den unsicher» Boden des himmlischen Schauplatzes und wählte seinen Standpunkt auf dem festen Grund der Erde, denn die Erde ist ja der Thron Gottes und der