Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 101)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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41 Die begeisterte Jugend, die das Vergangene wie ein Gegenwärtiges ansieht, versteht die Geschichte besser, als ihr, die ihr nur am Lebenden haftet, denn alle Geschlechter der Erde seit Urbeginn, sie hängen organisch zusammen, und wie der Stein, an der Quelle in den Strom geworfen, eine Bewegung erzeugt, die bis zum Meere sich fortpflanzt, so wirkt das, was im Anfang der Zeiten die Gemüther bewegt hat, unerkannt weiter fort in der Fluth der Jahrhunderte. Und wie in der Natur das Schöne und Erhabene, wenn es auch oft unfern Blicken sich darthut, zu stets erneuter Betrachtung reizt, zu stets erneuter Bewunderung hinreißt, so sind auch die großen geschichtlichen Gestalten, und hätten wir uns noch so eingehend mit ihnen beschäftigt, mit Recht fort und fort ein Gegenstand unserer Aufmerksamkeit, unserer eifrigen Nachdenkens; wenn wir au einer Ruine Vorbeigehen, die von einem alten, einst mächtigen Bauwerk übrig geblieben ist, so wandelt unsere Phantasie diese Trum« mer zu dem einst wohlgefügten und stattlichen Bau und belebt ihn mit den Personen, welche in demselben geweilt haben, und sieht, durch diesen Anlaß geweckt, die Gebilde des Alterthums wiederaufstehen: Geschweige denn, wenn ein großer nicht zu übersehender lebendiger Zeuge aus der Vergangenheit durch das Geschlecht der Lebenden schreitet, daß er den Geist, sobald dieser nur das Nachdenken nicht ganz verlernt hat, fast zwingt zur Rückschau in entfernte Zeiten. Solch ein Zeuge ist Israel; wie der Regenbogen die lichtgeformte Brücke ist, welche die Enden des Horizontes mit einander verknüpft, so ist die Geschichte Israels, dieses Volkes der Erkenntniß und des Geistes, die Brücke, welche aus der Vorzeit, an dunklem Gewölk vorüber, zu unseren Tagen führt. Heute feiern Jakobs Söhne auf dem ganzen Erdball ein Fest, daß die Wahrheit herabgestiegeu ist zu den Menschenkindern, ihren Geist erleuchtend, ihr Herz erwärmend, ihr Thun leitend, und in welche Zeit führt uns die Erinnerung zurück? In Tage, vor denen außer dieser großen Kunde nur noch wenig zu uns herübergedrungen. ״Siehe