Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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5 mit bcm doppelten Feuer", dem Feuer von oben, das iu unserer Seele lodert, und mit dem Feuer von unteu, das aus der Gottesschöpfung uns eutgegeuflammt; aber dieses letztere muß von uns selbst entzündet werden. Darum hat die Betrachtung des Frühlings etwas so ungemein Tröstendes und Belebendes. Der Leidende sicht iu dem Thautropsen, der von der Sonne beleuchtet und sodann von ihr ausgesogcn wird, ein Gleichniß, wie seine Thranc zuerst vom Strahl der Liebe verklärt und sodann ganz von ihm getrocknet wird. .Der Frühling, der nichts spendet als die knospen, gicbt Allen Mnth, denn die Knospe ist die Hoffnung; sie richtet aus, sie ermuthigt, und angesichts der Frühlingssoune vergißt man es eine Weil, daß so oft Hoffnungen und Knospen vorzeitig gebrochen werden. Mit einem unübersetzbaren Wortspiele sagt der Midrasch הנצנים ״ נראו בארץ הנוצדדם נראו בארץDie Knospen werden sichtbar auf dem Boden, d. i. die Sieger werden sichtbar;" hat der zarte Keim den Winter überwunden und sich als Sieger erwiesen und sich zur Sonne ausgeruugeu, die aus Millionenweiter Ferne ihr Licht ihm sendet, warum sollte der Mensch verzagen, warum sollte er nicht hoffen, daß der Strahl von den Höhen auch sein armes Herz finden und erwärmen werde; Furcht und Muthlosigkeit sind die schlimmste Fessel, welche die Menschen tragen, tver fürchtet, ist fast verloren: wer feig der Gefahr auslveicht, der wird fast immer von ihr erreicht: da lehrt uns die Natur, daß wir auch vor Stürmen nicht bangen dürfen: wie sollte bemt die harte Kruste, die der Winter um Feld und Fluth gelegt hat, weichen, wenn nicht der Sturm an ihr rüttelt, sie erschüttert, sie zerreißt. Verzaget nicht und verzweifelt nicht, wenn es stürmt, es sind die Stürme, die den Frühling bringen. Auch unter den Völkern herrscht Bangen und Sorge; die freudige Zuversicht aus den Sieg der Freiheit ist erschüttert, nun auch die liedgekrönte Frühlingszeit hat nicht selten kalte Tage, die uns in die Starrheit lind Dede des Winters wieder zurückzuwerfen scheinen; es sind nur vorübergehende