Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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3 diese Liebe, daß es ihm kundgethan wurde, daß er ein Ebenbild der Gottheit sei": all jene Naturerscheinungen, vor denen wir staunend stehen, unsere Ohnmacht an ihrer Uebermacht messend, sind dennoch nur Werke des Höchsten, kein Hauch eines gottverwandten Geistes webt in ihnen; aber der Mensch ist nicht nur gottverwandt, er weiß es auch: denn er kann in gesundem Zustande nichts thun oder leiden, ohne daß sein Bewußtsein wie eine Fackel ihm sein Dasein beleuchtet. Gottesebenbild sein und dies wissen, das hängt innig zusammen, und darum bringt Rabbi Akiba, als er seinen Lehrsatz aus der heiligen Schrift erhärten will, nur eine Beweisstelle dafür, daß Gott den Menschen in seinem Ebeubilde erschaffen hatte, nicht aber sür das zweite, daß dieser Vorzug ihm kundgethan wurde; denn es kann wohl einer ein Königssohn sein, ohne davon zu wissen; aber es kann keiner ein Ebenbild Gottes sein, ohne daß er mit größerer oder geringer Deutlichkeit je nach der Klarheit, mit welcher das Göttliche in ihm sich wiederspiegelt, es ahnen müßte, daß er von der ganzen übrigen Natur sich unterscheide, daß er durch unsichtbare Fäden mit einer höheren Welt verwoben sei Man hat die menschliche Seele den Mikrokosmos die ״kleine Welt" genannt, und das mit gutem Grunde; denn die Welt, die wir schauen mit allen ihren Reizen und Herrlichkeiten, sie ist eine Nachschöpfung des Gotteswerkes, in unserer Seele; lebte die Harmonie nicht in unserer Seele, wir würden sie in der Welt nicht suchen und nicht finden: Hütte nicht Gott ein Urbild von Schönheit in unser Gemüth eingepflanzt, niemals würden wir das selige Entzücken empfinden, welche das Ebenmaß der Formen in uns hervorruft; einer der tiefsten Denker hat es gelehrt, die Urbilder aller Dinge, gleichsam das Modell einer vollkommenen Welt, lebt in unserem Geiste, nach ihm messen wir die unsichtbaren Dinge; aus uns heraus holen wir alle die Hoheit und Herrlichkeit, und auch all die Härte und Trübung, die wir in der Natur finden. ^eslprediglen.