Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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unseren Lebens׳ und Gedankenkreis mit sanftem farbigen Lichte säumt und mit ihrem zarten rosigen Hauche unser Herz verklärt. Keiner von uns sei so hart gegen sich, um zu behaupten, alle diese Feste seien spurlos an ihm vorübergegangen. Wie viele sind zum Feste in's Elternhaus eingekehrt und werden nunmehr von dannen ziehen, sie werden ihre Lieben nicht mehr bei sich sehen und wieder allein stehen in dem Kampfe des Lebens; für das Auge sind sie allein, getrennt von den Ihren; aber war es wirklich ohne Werth, daß der Bund der Seelen wieder erneut worden ist? Wird der Sohn nicht um so viel ernster und eifriger schassen, wenn er sieht, wie freudig das Auge der Mutter leuchtet, wie inniges Glück das Gesicht des Vaters verklärt, sobald ihr Kind rüstig sortschreitet? Ost verliert der fern weilende Jüngling die Fiele seines Strebens: aber er kehrt zur Heimath und sieht die in allem Jubel des Wiedersehens dennoch vom Kummer beschattete Mienen der Seinen. Keiner sagt es ihm, sie wollen dem Liebling die Festesfreude im Vaterhaus nicht stören, ihm die Heimath nicht verleiden; er aber fühlt dennoch den Kummer und die Sorge, die er bereitet, und wenn er Abschied nimmt und in das bange, gefaltete Antlitz schaut, und die Mutter sagt ihin, er möge brav bleiben und sie lieb behalten und seine Pflicht thun, sollte das sich nicht einprügen dem leichten, aber kindlich treuen Sinne des Jünglings? Wie aber jedes Wiedersehen unter denen, die zu einander gehören, die Liebe weckt und steigert, so auch das Wiedersehen mit der Gottheit zur festlichen Zeit, und der Abschied ist dann nicht der kalte, sondern der kühlende Thau, der unser heißes Herz erfrischt. Eine Stunde, die wir, ganz in Gott versenkt, verlebt haben, sie ist für das ganze Leben unverlorcn. Jeder kann es bei ernster Prüfung an sich wahnehmen: wer in diese heilige Zeit eintrat, Zorn und Groll im Gemüthe, daß sein Herzblut aufgesogen wurde von diesen wilden Schlingpflanzen, daß seine Kraft verlohte in diesem verzehrenden Brande, und wer dann redlich gerungen hat in