Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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ou ist die ,Bedeutung hiervon meistens entschwunden, und er spricht nur gelegentlich darüber aus Langeweile oder Perlegenheit. Aber daß das Wetter so häufig die Unterhaltung einleitet oder lediglich ausfüllt, liegt nicht darin, daß der Stand des Wetters den Städter am?Ins- und Spazierengehen hindert oder dazu einladet, sondern ist eine Folge unbewußter Gewohnheit und Ueberlieferung, weil für das Ackerbaulebcn. welches früher die fast allgemeine Beschäftigung des Menschen war, der Einfluß des Wetters von so allgemeiner und einschneidender Bedeutung ist. Der Ausfall der Ernte ist für jedermann von Bedeutung, denn des Brodes wie aller Früchte des Feldes bedarf jeder; der Ertrag des Feldes aber liegt lediglich in Gottes Hand. Ackerern und Matrosen, Land- und Seeleuten wird darum eine besondere Religiosität und Gottesgläubigkeit nachgerühmt, weil sie sich dessen bewußt sind, daß sie mit ihrem Dasein und Leben, mit ihrem Vorhaben und Unternehmen, mit ihren Befürchtungen und Erwartungen in ganz besonderer Abhängigkeit von Gott stehen. Kein Leben ist von solchen Gefahren umgeben, wie das des Seemanns; nur Gottes Allmacht kann ihnen wehren. Die Hoffnungen keines Menschen sind so von Gottes Gnade bedingt, wie diejenigen des Landmanncs Er legt das Saatkörn nicht nur in den Schooß der Erde, sondern geradezu in Gottes Hand, denn von ihm hängt das Gedeihen der Saat, das Keimen, Wachsen, Reifen und Heimsen der Ernte ab. Seit langer Zeit traten uns diese Verhältnisse nicht so deutlich vor die Augen und wurden uns diese Gedanken nicht so lebhaft vor die Seele geführt wie in diesem Jahre. Ueberall ist Mißwachs eingetreten, sind Noth und Theuerung allgemein geworden; es mangelt am Nothwendigsten und Gewöhnlichsten, an Brod. Man vertrante schon der Macht und Geschicklichkeit der Menschen, den Erfindungen ihres eigenen Geistes, um Mißernten auSzuglcichen und Hungersnoth unmöglich machen zu können — durch Allshülse und