Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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35 wenn die eigene Erkenntniß von Recht und Unrecht nicht ausreicht: und sie reicht bei Kindern und der Menge in den seltensten Fällen aus. - Warum vermeidet man die Hin- Weisung aus GottesAuge und Wachsamkeit, aus seine Hand und Strafgerechtigkeit, und zieht lieber Stock und Züchtigung, elterliche und richterliche Strafe und Zurechtweisung vor? Wenn der Glaube und das Bewußtsein geweckt und gestärkt würde: Gott sieht alles und läßt nichts ungestraft, was böses du thust; und wenn wir Eltern und Richter es auch nicht sehen und bestrasen, Gott sieht und bestraft es; sa selbst wenn wir nachsichtig es auch verzeihen, cs bleibt ungewiß, ob Gott es verzeiht, es ist vielmehr gewiß, daß Gott über alles hier oder dort, im Leben oder Tode den Menschen zur Rechenschaft zieht, — solche Erwägungen, solche Grundsätze würden die Erziehung erleichtern, und um Sittlichkeit und Rechtlichkeit, um Moralität und Humanität des Lebens stünde es besser. Ihr Eltern stehet euren Kindern doch nicht zu jeder Zeit und alle Zeit nahe, um sie zu ermahnen und zu bewachen; ihr gebet eure Kmder sogar einmal von euch in die Fremde und Ferne, wo ihr sie nicht bewachen könnet, übergebet eure Kinder sich selbst und der eigenen Selbstständigkeit, wo ihr sie nicht mehr bewachen dürfet, der Tod schließt endlich euer Auge vollständig vor ihnen: welche Sicherheit und Beruhigung habet ihr dann, daß sie vor Bösem bewahrt und zum Guten geneigt bleiben, wenn nicht den Glauben an Gott, das Bewußtsein von ihm, die Furcht vor ihm und die Hoffnung auf ihn? Die Momente des Lebens müssen besprochen und in den Kreis des religiösen Denkens und Glaubens gezogen werden, und nichts tritt uns dafür häusiger, allgemeiner und eindringlicher entgegen, als der Ackerbau, als die Ereignisse von Saat und Ernte, wie die damit zusammenhängenden und sie bedingenden Zufälligkeiten des Alltaglebens, der Wechsel des Wetters, die Beständigkeit oder Abänderung von Wind und Regen, Kälte und Wärme, Frost und Hitze, Gewölk und Sonnenschein. Dem Städter