Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
9 (1892)
Issue
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 29 (sequence 41)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9616701-9617889-9617890--1884-9617927
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

29 lieblose Wort steht wie ein Ankläger vor mir und fordert Rechenschaft für jeden trüben Augenblick, den ich mir und dir dadurch bereitet habe. Wie oft sehnen wir uns nach einen! einzigen treuen Worte, nach einem einzigen, herzigen Druck der Hand, und als uns Beides noch willig gespendet wurde, da haben wir es wenn auch nicht gering so doch geringer geschätzt. Wir sprechen die zärtlichsten Worte, aber vergebens warten wir auf Antwort, wir strecken verlangend die Hand aus, aber der Raum ist leer, die Hand, die sich so freudig in die unsere fügte, sie modert in der dunklen Erde. Wie viel Liebes hätten wir unfern Heimgegangenen er weisen können, aber da dachten wir, das Leben ist lang und wir kargten auch mit unserer Liebe. Die Selbstsucht kleidet sich oft in verschiedene Formen, und wer frei genug ist, daß er nicht am Gelde und irdischem Gute allzu innig hängt, der ist selbstsüchtig in seinen Meinungen, der läßt nichts Anderes gelten, als was ihm gut dünkt und nennt zudem noch seine Laune seine Ueberzeugung. Und plötzlich reißt uns der Tod die Lieben vom Herzen, und wir können nimmer nachholen, was.wir versäumt haben. Darum lehrt uns die ewige Ruhestätte: Thue Gutes, erweise Liebe, so lange du kannst; kaum daß du dich dessen versiehst, bist du selbst dahingesunken, oder, was oft noch trauriger ist, diejenigen sind dahingesunken, denen Liebe zu erweisen Pflicht und Neigung in gleicher Weise dich trieb. ״Wohlthun ist Anfang und Ende der heiligen Schrift", sie heißt תימת חמד /,die Lehre der Liebe", weil in diesem einen kurzen Wort Alles enthalten ist, was die Schrift erstrebt. Aber wenn auch die Liebe zu dem engen Kreis der Famitte die wichtigste ist, sic ist nicht die einzige; vielmehr ist es das Ziel aller Religion, daß sich alle Menschen als Glieder einer großen Familie betrachten und sich wie Brüder stützen und fördern; unsere Liebe soll jedem Dürftigen nahe sein, und an dieser Heilgen Stätte zumal sollen wir es lernen, uns die himmlischen Güter zu erwerben. Ein römischer Tyrann fragteeinst den R.Akiba: ״WennGott die Armenlieb hat, nun warum ernährt er sie nicht?" — ״Damit,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.