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Israelitisches Predigt-Magazin · 1892-01-01 · 1892 · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
9 (1892)
Issue
1892
Date
1892-01-01
Page
Seite 27 (sequence 39)
Language
German
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— 27 — nicht viel erzählen; sie verstehen nicht die Sprache der Gebeugten, die Sprache derer, welche unter dem Joche der Roth und schwerer Schmerzen seuszen: und wer der Sterblichen lernt sie verstehen, wenn nicht das Unglück selbst ihn in die harte Schule nimmt? Trefflich vergleichen schon die Alten das Herz des Menschen mit der Frucht des Oelbanmes. Diese Beeren haben ein srisches Aussehen, aber ihr Geschmack ist bitter, und sodann geben sie fitstes Oel, wenn sie gepreßt werden. So ist auch der Mensch, der das Leid nicht kennt, der nicht so zu sagen vom Schicksal gedrückt und gepreßt wird, frisch und üppig, aber das, was er denkt und fühlt, ist nicht selten roh und ungenießbar. Er ist unerfahren, denn er weiß nichts von dem Tode, und von dem Leid, das er uns bringt, wenn sein scharfer Pfeil unsere Lieben trifft. Er wandelt auf Erden und hat noch das Wichtigste nicht erlebt, nämlich den Tod. Wohl kaum möchte einer das Rechte erkennen und das Rechte üben, wenn nicht ein großer Schmerz sein Inneres wandelt und seinen Geist öffnet; aber wider wen das Schicksal stürmt, daß sein Halt auf Erden wanket, daß er gleichet ״ קיר נטוי, גדר הדחויהeiner fallenden Mauer, einem zusammenbrechenden Zaun", dem wird es klar, wie unser ganzes Dasein nur ein Schatten und ein Traum sei, und wovon wir gewöhnlich wie von einem Reich der Schatten reden, da, merken wir, beginnt die Wirklichkeit. Diese Stätte der Todten hat eine wunderbare Kraft. Wer stark hineinkommt, der geht erschüttert von dannen; wer aber schwach und haltlos hier eintritt, der scheidet von ihr gestärkt und gehalten. Wir sprachen bisher von der Erschütterung und der Tröstung, welche die Grabesstätte spendet; aber das trifft nur unser Gemüth. Jndeß die Stimmung unseres Gemüthes hat nur in sofern Werth, als sie uns zu bestimmten Handlungen anregt. Wäre unser Sinn noch so rein und edel und es fehlte uns die Thatkraft, diesen reinen und hehren Empfindungen einen Ausdruck iu unserm Handeln zu geben, es fehlte uns

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