Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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der Tobten; die Thräne, die ans dem Auge quillt, sie löst den Schmerz und wandelt ihn in milde wehmüthigc Trauer: getröstet und getrost ziehen wir von dannen, denn wir wissen, daß wir durch feste unzerreißbare Fäden verknüpft sind, mit Gott und unseren Lieben, daß die, welche wir verloren haben, uns dennoch geblieben sind, ״ גם כי אלך יכו״Auch wenn ich wandte durch das Thal des Todes, ich fürchte nichts Arges, denn du. o Gott, bist bei mir: dein Stab, deine Stütze, deine Strafe, dein Heil, beide trösten mich." Einsam und verödet und todesmüdc fühlen die, durch deren Herz das Unglück seine tiefsten Furchen gezogen hat, sich draußen im Leben unter denen, die glücklich sind, unter denen, die sich glücklich glauben; den Frohen stimmt der Perkehr mit den Freudige!« zu erhöhter Fröhlichkeit: aber dem Trüben inehrt er die Trauer wie das Düstere schärfer hervortritt, wenn es neben Licht und Glanz gestellt wird. Dem Trüben und Traurigen giebt es oft keine liebere Gesellschaft, keine trauteren Freunde als Grab und Leichenstein; hier darf er der Trauer und dein Schmerze ungestört sich hingeben, hier darf die Thräne ungehemmt fließen, während er sonst so oft gezwungen ist, sich fröhlich zu zeigen, wenn das Herz weint, zu lächeln, wenn er die Thräne kaum zurückhalten kann. Wie der Thau nicht nur zur Morgenzeit zur Erde fällt, wo er die Blüthen erfrischt und zugleich wie mit Demant überschüttet, wie er auch zur Abendzeit glanzlos, unvcrnrerkt die Fluren tränkt, daß sie in der Nacht nicht Schaden nehmen und dahinwelken, so fehlt auch der Seele nimmer der Thau, der sie erfrischt und vor dem Welken wahrt zur Abendzeit, «venu die Schatten der Nacht sich über sie ausbreiten und sie in Dunkel gehüllt ist. Den Morgenthau der Seele nennen wir Freude, ihr Abend-- thau ist die Wehmuth. Der Schmerz ist das starre Eis, und in frostigen Schauern erzittert das Herz, «venu er sich auf dasselbe legt; die Wehmuth ist die inilde Fluth, die das vom Leide welke Herz wieder aufleben läßt. Diesen Thau aber spendet uns der Himmel an den Gräbern derer, welche wir lieben. Den Glücklichen dürfen wir freilich von alledem