Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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IT. Die Predigt des Friedhof«. Zur Todtenfeier am Versöhnunglage. M. A.! Der Tod ist der eindringlichste, der wirksamste Lehrer des Lebens; von der Noth des Menschen und von dem, was ihm noth thut, von seiner Schwäche und seinem Berufe zur Ewigkeit, von seiner Macht und seiner Ohnmacht reden die stummen Steine des Friedhofes so ergreifend und er» schütternd zu ihm, daß sein Herz sich ihrer Rede nicht verschließen kann, daß er es weit öffnen muß. und hinein ziehen die frommen Gefühle, die reinen Gottesgedanken, und es ent weichen der Hochmuth und der Stolz und das ganze Heer thörichter und böser Triebe, die sich, so lange tvir im Lärm des Lebens standen, so bequem bei uns einnisten konnten. Wohl dem, dem diese Stätte vertraut ist; er kennt die Brücke, welche die Welt des Scheins mit der Ewigkeit verbindet; er wird dereinst nicht wie ein Irrender und Schiffbrüchiger an das Gestade des Jenseits geworfen werden, sondern sichern Schrittes hinübergehen in das Reich des Heils. Weil er sich auf Erden nie sicher wähnt, deshalb ist er sicher der Gnade Gottes und der Seligkeit vor seinem Angesichte. Die Andern alle zagen und bangen vor dem Tode und nennen ihn den Verderber. Wer aber oft da draußen weilt auf dem Orte des Friedens im Geist, vereint mit den Lieben, deren sterbliche Reste in jenem Raum sind versenkt worden, den überkommt es zuweilen wie eine glühende Sehnsucht nach der Ruhe und dem Frieden der Dahingeschiedenen, fast widerwillig wendet er sich zurück zu dem wirren und verwirrenden Treiben der Menschen, und den Tod nennt er einen Befreier und Erlöser, der die Fessel von uns nimmt, der uns aus der Fremde in die Heimath führt, der uns mit denen vereint deren Tod uns selbst zum Tode verwundet hat. Auch der Schmerz um diejenigen, die wir verloren haben, ist nimmer so wild und wüst für den, der oft hinauswallt in das Thal