Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 9 (1892)
- Issue
- 1892
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Sittenweisheit und Sittenwahrheit. Die Gegenwart führt uns vor den Richterstuhl des eigenen Gewissens und bedingt die Sammlung der Seele in! Gebete (תפלה). Die Frucht der Rückkehr aber zu den ruhmreichsten Epochen jüdischen Gemüths^ und Geisteswaltens, der Einkehr der Seele in's Reich der Ideale, ist (צדקה), die durch die Religion geheiligte Sittenthat.. So wissen wir nun, ״was über uns ist." Es giebt ein Auge, das Alles sieht, jeden Zug unseres Geistes zu den erlösenden, sittlich weihenden und veredelnden Ueberlieserungen der Borzeit, jede Bewegung und Bestrebung der Seele für die Weltgeschichte, das Weltgericht (תשובה). Es giebt ein Ohr, das Alles hört, den unvernehmbarsten Herzschlag unserer Andacht, den zartesten Wellengang unserer Empfindung, Stimmung und Gesinnung (תפלה) m der nach Heil und Erlösung ringenden Gegenwart. Und was wir wirken und leisten, und ist es noch so still und in dem kleinsten Kreis, tvenn's ehrlich nur, mit Lieb und Treue und mit ganzem Herzen im Dienste gottgefälliger Menschenthat (צדקה) erstrebt wird und gethatt, wird für künftige Zeiten von Gottes Hand eingetragen in's Buch der göttlichen Erinnerung. Dies, m. 1h. A., wollen lvir beherzigen und zur Feier der heiligen Stunde gemeinsam durchforschet!. Wahrheit sei der Betrachtung Ziel, ihr Lohn der Segen des Königs aller Geister. Amen! 1. Etu Auge, das steht. DaS erste Moment der Weihe unseres Festes ist die Einkehr der Seele in sich selbst. Gar oft schweift der Blick nach Außen, die Innerlichkeit deS Menschen aber wird dabei verkümmert. Man erwägt nicht, daß nur von Innen heraus die Kraft gewonnen we!den kann, das Leben sittlich zu genießen. Mit innerlichem, seelischem Auge betrachtet, zerfließet und verrinnt gar oft die Aenßerlichkeit, die Außenfeite des Lebens, soferne sie der idealen Weihe, des moralischen Inhalts und Gehalts ermangelt. Prüfen!vir daher, m. A., die Welt der Erscheinungen mit den! Auge der Seele, mit 1*