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Israelitisches Predigt-Magazin · 1890-01-01 · 1890 · p. Seite 141

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
8 (1890)
Issue
1890
Date
1890-01-01
Page
Seite 141 (sequence 147)
Language
German
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—i 141 Fragen wir aber heute: Wie steht es mit uns in dieser Hinsicht, sind auch wir noch stolz daraus Bekenner des Offenbaruugs-Glaubens zu sein, betrachten wir es noch als unser höchstes Gut, Nachkommen Israels zu heißen, feiern auch wir noch diesen Tag als einen solchen ohne den es gar viele Josef auf der Straße gäbe, so verwandelt sich diese Frage flugs in eine andere, in die Frage: ״Sind wir noch Juden?" Sie ist nicht abzuweisen diese Frage, sie läßt sich nicht todtschweigen, sie läßt sich nicht nach Belieben bejahen oder verneinen, denn sagen wir: ״nein, wir sind's nicht mehr, denn der Name hat seineil Begriff völlig verloren", dann mahnt uns das öffentliche Leben, dann mahnt uns jedes Zeitungsblatt und sagt: du lügst. Bejahen wir diese Frage, so wird doch immer und überall in uns banger Zweifel laut. Es kommt der Sabbath, der Tag des Herrn, wir erinnern uns, welche Weihe auf diesem Tage lag von dem äußeren Schmucke des Wohnraumes, der erleuchtet war von der achtzackigen Messinglampe, bis zu der festlichen, gottergebenen, weihevollen Stimmung, an der jedes Mitglied der Familie seinen Antheil hatte, groß und klein, jung und alt. Es war wohl mancherlei unter diesell heiligen Gebräuchen, das veraltet, mißverständlich, oder kleinlich erschien, aber wie steht heute unser Berhültniß zu dem Sabbath, der weder durch Enthaltsamkeit iln Handel lind Wandel, noch durch Theilnahme am Gottesdienste, noch durch Heiligung, die wir an unseren Handlungen und Gesinnnngen üben, gefeiert wird, wenn wir sehen, wie mit völliger Gleichgiltigkeit die roheste Werktagsarbeit gethan, das roheste Spiel gespielt, die gleichgiltigste Zerstreuung aufgesucht wird, müssen wir dann nicht fragen? Sind wir noch Juden? — Wollt Ihr die Antwort auf diese Frage von meinem Munde hören, so sage ich: Ja, wir sind noch Juden. Wir sind es straft unserer Abstammung, allerdins nicht in dem Sinne wie gottentfremdete Geister dieses Wort verstehen, nicht in dem Sinne, als ob Blut und Fleisch den Menschen machte, sondern in dem Sinne, daß Erziehung, Beispiel und Umgang in uns einen Fond von sittlichen

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