Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 148)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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142 Anschauungen hinterlassen, die unser Selbst ausmachen. Wir sind es aber auch durch das Gefühl, durch ein Gefühl, dem Wir nicht gebieten können, das wir auch Glicht zu wecken vermögen, wenn es in uns nicht ist. Eine Freude durchzuckt uns alle, wenn wir von einem unserer Glaubensbrüder hören, der es zu einer hervorragenden staatlichen vder gesellschastlichen Stellung gebracht hat, tiefer Schmerz durchzuckt uns, wennn wir sehen, daß ein Israelit seinen Namem Schande macht durch Unehrenhaftigkeit im Leben, durch Taktlosigkeit im Auftreten oder gar durch den schwersten Grad der Persündigung an den Seinen, indem er um äußerer augenblicklicher Vortheile willen die Lehre des Sinai verleugnet und verhöhnt. Wir sind aber auch Juden durch unseren Glauben, so sehr er auch an Verbreitung, an Kraft und Innigkeit verloren haben mag. Wenn wir auch das Jahr über unserem Gotte uns entfremden, sei es aus Gleichgiltigkeit, sei es aus Bequemlichkeit, sei es in der Absicht, unsere zeitgemäßen Anschauungen an den Tag zu legen, es kommen doch die hohen Feste, da zieht es uns nach dem Hause Gottes, da sehneu wir uns danach mit ihm uns einig zu wissen, zu ihm zu beten, an seinem Werke uns zu erbauen; es kommt der Tag, wo nach alter Sitte an unsere verstorbenen Angehörigen gedacht wird und, ob wir wollen oder nicht, über unsere Wange rollt eine Thräne" der Rührung, wenn wir beten zu dem Herrn ״daß er die Seelen unserer Angehörigen gebunden sein lasse mit dem Bande des ewigen Lebens" und, wenn der Erinnerungstag an unsere Lieben kommt, dann zieht er uns doch in das Gotteshaus um zu beten zu dem ״der den ewigen Frieden wohnen läßt in seinen Höhen" und an solchen Tagen sagt's in uns trotz aller Gegenströmungen: ״wir sind noch Juden", und an solchen Tagen bekennen wir aus ganzem Herzen, wie der Prophet Jona (1,9) angesichts der Entscheidung über Leben und Tod: ״ein Hebräer bin ich, den Gott fürchte ich, der geschaffen das Meer und das Festland." 11 Wir sind also noch Inden. Wir sind es aber nur dann,