Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 132)
- Language
- German
- Belongs to
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126 — frei athmeu durfte Israel. Arbeiten wurden ihm aufgelegt, die schlechterdings unausführbar waren, gepeinigt und gemartert wurde es, "wenn sie dennoch nicht vollendet waren. Darum erging an sie die zweite Verkündigung: ״Ich errette Euch von ihrer Knechtschaft," ich gebe Euch Freiheit und Selbstbeftimmungsrecht. Nach meinen Gesetzen giebt es keine Herren und keine Unechte, find alle frei. Ta darf Keiner gegen den Andern strenge verfahren, da hat wohl jeder einen Beruf, aber überbürdet darf er nicht werden. עבדי הם ולא עבדים ״ לעבדיםMeine Knechte seid Ihr, aber nicht Knechte der Knechte." Gottesdiener find alle Menschen, aber nicht Menfchendiener. Das ist die zweite Bedingung der vollkommenen Erlösung: allgemeine Anerkennung der Menschenwürde, kein Ueberheben des Mächtigen gegen den Schwachen. Wenn Gott als liebender Vater alle Menschen erkannt sein wird, dann ist die Menschheit -in Wahrheit erlöst. Darum rufeu wir: Deu Becher des Heils erheben wir, und den Namen des Ewigen, des Vaters aller Menschen, rufen wir an. 1.II. ״Ich erlöse Euch mit ausgestrecktem Arme und großen Strafgerichten," lautet die dritte Verkündigung. Nicht nur der Armuth und schwerem Dienste war Israel ausgesetzt, es hatte noch Schwereres zu ertragen. Wohl mag mancher Knecht sich damit trösten, daß der Herr feine Leistungen anerkennt, ihn seinen treuen Diener nennt, aber tief kränken und das Herz verwunden muß es, wenn er bei aller Pflichterfüllung noch obendrein geschmäht und beschimpft wird, als verdiente er das grausame Schicksal. Trotz der schweren, die menschlichen Kräfte übersteigenden Arbeit nennt sie Pharao :נרפ*ם הם נרפים ״trüge und lässig". Während die Großen in Bequemlichkeit und Ueppigkeit die Tage hinbringen, nennen sie das arbeitsame Israel träge, arbeitsscheu, das unter der Zuchtruthe stehen müsse. Solche lügenhafte Beschuldigungen zur Beschönigung des Unrecht, der Gewalt, empören noch mehr als das Unrecht selbst. Man schämt sich, die Gemeinheit und Niedrigkeit der Gesinnung in ihrer Nacktheit zu zeigen und