Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 133)
- Language
- German
- Belongs to
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inan nimmt zur Beschimpfung des Gedrückten seine Zuflucht, fügt zu dem Unrecht noch den Hohn. ״Wehe denen, welche die Sünde ziehen mit dem Seile der Lüge" (Jes. 5,18). Das war das Schicksal Israels zu allen Zeiten. Wenn man ihm die erstell Menschenrechte nahm, wenn mau ihm die Scholle nicht gönnte, auf welche es den Fuß setzte, wenn man es beraubte, verjagte, plünderte, wurden noch obendreiil freche lügenhafte Beschuldigungen gegen es vorgebracht. Man gab ihm kein Feld zur Arbeit, und sagte das Volk sei träge, wolle sich dem Feldbau nicht widmen, man schloß sie von den Jilnungen der Handwerker aus,, und warf ihnen dann deil Marlgel an Haildwerkeru in ihrer Mitte vor. Die Ehre dem Menschen rauben, ihn der Sch in ach Preis geben, ist das verruchteste Handeln des Bösewichts. Ach, wie viel Unglück hat diese Bosheit der Menschen erzeugt, wie hat sie das Leben der Besten verbittert — darum lautet die dritte Berkündiguug der Erlösung eindringlicher: Fürchte nicht Israel! ״ich erlöse Euch von der Schmach, die aus Euch lastet, durch die Strafgerichte, die ich über Eure Peiniger bringe". Das Lügengewebe wird zerrissen werden und dein Recht, deine Unschuld, au den Tag kommen. Wenn des gerechten Gottes Arm ausgestreckt sein wird über alle Völker, dann wird Haß und Neid schwinden und wir erheben den Becher des Heils und rufen den Namen Adonai's an, der Gerechtigkeit und Liebe in sich vereinigt. IV. Wenn in diesell drei Verkündigungen der Erlösung ein befriedigender Zustand auf Erden verheißen wird, so fehlt zur vollkommenen Seeligkeit doch noch Eins. Was nützt den Menschen ein Zustand auf Erden, in welchem er vor Mailgel und Entbehrung geschützt, vor Druck und Knechtschaft gesichert, vor Kränkung und Entehrung gewahrt ist, wenn dieser Zustand nur ein flüchtiger, vorübergehender ist? Wem: alles vergänglich ist, und mit dem Tode alles aufhört? Muß der Gedanke des Scheidens nicht alle Freuden vergällen, alles Lebensglück verbittern? Ist das