Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 124)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Ergebniß vernünftiger, weil naturgemäßer Erziehung. So habe , ich denn, so singt der königliche Sänger des unsterblichen^ hohen Liedes der Liebe (Cap. 3, 1—5), nicht in finsteren Träumen und Gesichtern der Nacht, nicht aus dem Gewühl der Straßen und Märkte, nur im Hause meiner Mutter, die meine Lehrerin und Führerin war, gefunden was ich gesucht, aus des Herzens Tiefen rein geliebt all mein Ideal im Leben. — Die Hochschule des Lebens sängt mit der Kindesschule an in der theueren mütterlichen Heimstätte. Hier erschließt sich die Blüthe, erstrahlet die Krone der Erziehung sür's Einzelleben. — II. Unsere Weisen erzählen: Israel ward erlöst aus Mizraim, weil es Viersache Verdienste hatte: Es war treu geblieben dem Namen, der Sprache, der Ehre und der Sittcnweihe des Volkes" (Midrasch rabbah Levit., Abschnitt 32). Israel wahrte die Heiligkeit der Ehre, deren Inbegriff der Gottesantheil im und am Menschenthume ist; weshalb die eigene Ehre stets von der Heilighaltung der Ehre unserer Mitmenschen bedingt ist. Wer Ehre hat, giebt Ehre, wer sie nie besessen oder ihrer sich entüußert hat, wird Anderen sie nicht gönnen oder zu entreißen geneigt sein. Allein die Ehre ist etwas Innerliches und prägt sich nach Außen im Namen aus; soferne, im Geiste der heiligen Sprache, der Name den Charakter ausdrückt. Zum Wesen des Charakters gehört die Ehre. Der innere moralische Werth der Persönlichkeit muß eben übereinstimmende Form und Gestalt im Hervortreten derselben nach Außen gewinnen. Bedeutet aber das Wort ״Sem" Charakter, so ist es nur zu leicht erklärlich, wie sehr leider in unserer Zeit mit Begriffen und Ideen gefalschmünzt wird, wenn dem gottbegnadeten Stamme, dessen Lebensbedingung das Gottesbewußtsein ist, welches den ausschließlichen Inhalt seines Namens, seines Charakters ausmacht, aus Gründen niediger, auf die irdischen, stofflichen Zwecke abzielender Selbstsucht eine Gegnerschaft entgegentritt, die