Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 113)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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107 עולם חסד יבנה, daß das Weltall auf sittlicheul Grunde ruht und sittlichen Zwecken dienstbar ist. Ans diese Neigung, die erhabensten Erscheinungen in Natur und Geschichte mehr als eilte Quelle des Vergnügens, beim als einen Born sittlicher Kräftigung anzusehen, scheint uns der Talmud Hinzuzielen, wenn er die Frage anfwirst: ״Warum ist König David so schwer heimgesncht worden? und daraus die Antwort giebt: ״Weil er die Worte der Schrift Gesänge genannt hat", denn so lesen wir in den Psalmen: Deine Gesetze, sie waren mir zu Gesängen (Ps. 119,54). Was will diese seltsame Talmudstelle sagen? Nichts weiter, so scheint es, als ein Verhalten tadeln, das auch in unsern Tagen nicht selten ist. Mancher Israelit rühmt und preist die Satzung Israels und findet sie wunderschön und herrlich über die Maßen und kann sich kaum erschöpfen in Ausdrücken des Lobes und Staunens, ob all des Großen, das diese Satzung in Israel erzeugt, da denken wir, dieser Mann beachtet sicherlich sorgsam und treu die heiligen Bräuche und heilig ist ihm das Gesetz, dem sein Sang sich weiht —, weit gefehlt! er geht von dannen und thnt nach all seinem Verlangen; seine Einbildungskraft war mächtig erregt worden von dem strengen Ernst und der Sitten-Reinheit dieses Volkes; da hat er denn in Prächtigen Worten dessen Satzung gepriesen, sie zu üben — daran denkt er nicht. Verdient ein solches Thun nicht ernste Rüge? Dürfen wir das Heiligste entweihen und sei cs auch zu einer edlen Unter- Haltung? Wer Hütte das Recht das edle und Gute zu preisen, wenn er nicht die Kraft hat es zu üben? Wer darf ein Herold der Tugend sein, wenn er nicht zugleich ihr Held ist? Glicht David selbst, antwortet der Talmud, der herrliche Sänger er hat die Satzung Israels besungen und doch so oft sie übertreten: deshalb wurde er heimgesucht mehr noch um dieses nnziemenden Preisen als um der wirklichen Sünde willen, denn dieser Preis war nur das jäh entstandene Werk einer reichen Phantasie, nicht aber derAusdruck einer tiefen und nachhaltigen Empfindung. Und wie es eine hohle und leere Bewunderung geschiehtlicher Ereignisse giebt, die weit davon entfernt ist, unsere sitt-