Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 112)
- Language
- German
- Belongs to
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106 ״Damals sang Mosel) und die Israeliten", heißt es von - dem Liede, welches am Gestade des rothen Meeres zu Gott ausjauchzt ob Israels Befreiung ans ägyptischer Fessel; ״Mosel) und die Israeliten" und doch war nur Mosch allein der Dichter dieser erhabenen Freiheitshymne, die wie das besungene Ereigniß selbst ohne Gleichen dasteht, eben als das Werk eines göttlichen Mannes. Aber was Moseh sang, und zum Worte gestaltete, fand es nicht einen Wiederhall lauter als des Meeres Brausen in den Herzen der befreiten Nation, war es nicht ans ihrer Seele gesprochen, und sangen sie dieses Lied nicht, ״vor Gott", der es wußte, daß Mosel) nur das Organ war, durch welches eine ganze Nation ihrer Seelen Seligkeit, vor Gott aushauchte, daß er nur aussprach was Millionen Israeliten in freudigem Danke, in bewundernder Demuth, in glühenden Hoffen mit ihm durchbebte? Deshalb stellt die Schrift die Israeliten dem Moseh gleichgeordnet zur Seite. Es sind oft die reinsten, die wahrsten, die wärmsten und lautersten Gefühle, die nicht in Worte gefaßt werden; klagen es ja sogar die gottbegnadeten Sänger, daß sie ihr tiefstes Empfinden nicht aus dem Born der Seele an die Oberfläche des Tages bringen können, daß ihres Geistes höchste Blüthen nur ihnen selbst blühen. Gott aber, der über den Wolken thront und in die Herzen schaut, er kann sich sozusagen auch aus dem Empfinden einen Vers machen, das unausgesprochen in unserm Herzen rauscht und fluthet. Diese Freude an der Natur ist an sich schon eine religiöse, gottgefällige Erscheinung, nur muß sie mehr sein als ein leb- Haftes Wohlgefallen am Schönen, nur dürfen wir uns den י sittlichen Forderungen nicht entziehen, welche die Betrachtung der Natur einem ernsten Geiste stellt. Denn es׳ giebt viele, ' die Natur und Geschichte nur wegen des Frohgefühls beirachten, welches der Anblick des Erhabenen in uns erweckt, cs giebt Menschen, die unaufhörlich nach Sättigung für ihre Phantasie streben, aber ihr Herz verhungern lassen, die so thun, als sei Alles, was ans Erden vorgeht, nur eiu Schauspiel zu ihrem Zeitvertreib, zu ihrer Erheiterung, die es vergessen,