Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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99 .אשר נתן לך Ein Jeder gebe, Gottes Segen hat Dir ja Alles gegeben. Ein Jeder spende, wie er nur spenden möchte, das Können findet sich, wenn man nur wahrhaft will; denn ״der Segen kommt von Oben". Und da sollte der Arme fürchten müssen, an die Arbeit hingewiesen zu werden, für welche seine Kraft nicht ausreicht, seine Lebensstellung nicht , geeignet ist, erniedrigt zu werden, wenn seine äußerlichen Verhältnisse niedergegangen sind? ״ וחי אחיך עמךDein Bruder muß mit Dir leben"! Mit Flammenzügen leuchtet das Gebot gottgefälliger Menschenthat in diesen Worten Dir entgegen. Dein Nächster soll, wenn auch arm geworden, dein Bruder sein, er soll leben, ebenbürtig Dir und Deinem Stande, er soll mit Dir leben. So will's der Herr, der Dir die Kraft gegeben, Irdisches zu gewinnen, um Himmlisches zu genießen. Bei solcher Wohlthütigkeit ist auch in der Armuth Fülle, fühlt der Einzelne sich geschützt und gestützt durch die Gesanuntheit, die Gemeinde, welche heilig ist, wenn sie die Ehre aller ihrer Glieder in Leid und Freud, Wohlstand und Entsagung derselben hoch hält, und Gottes heilige Liebe in den Werken heiligen Menschenthums sich offenbart. So Halls die Schrift gemeint. Bei solcher Satzung ist Noth und Elend in der Gemeinde, Gott sei Dank, unmöglich. II. M. th. A.! Mit tiefer Beschämung müssen wir gestehen, daß unsere wissenschaftliche Erkenntniß, unser nationales und staatliches Bewußtsein lange nicht in dem Maaße zugenonnnen, wie das jüdische Herz mit seiner sprüchwörtlich geheiligten Milde abgenommen hat. Wie schwer ist heutzutage ganz besonders im Gewühl großstädtischen Lebens der Kampf ums Dasein geworden. Wie planmäßig geordnet, wie gewaltig verzweigt ist oft der Apparat öffentlicher Wohlthütigkeit, ohne daß auch nur eine einzige stille Thräne einer verwaisten und bedrängten Seele getrocknet wird. Und mit wie wenig Feingefühl, wie hart und beschämend ist oft die Zurückweisung der Bedürftigen, welche würdig wären, auf der 7* .