Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 97)
- Language
- German
- Belongs to
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91 abhängig ist davon, ob der Fleiß des Ackermanns belohnt wird oder vergeblich bleibt. Es giebt für ein Land kein Gedeihen, wenn die Frucht des Bodens nicht gedeiht und früher oder später wird jeder Stand in Mitleidenschaft gezogen, wenn der Landmann umsonst sich müht. Die hochentwickelte Kultnr der Gegenwart, in der der Gewerbcfleiß so große Triumphe feiert, hat dieses Abhängigkcitsvcrhältniß jeder andern Arbeit von der des Ackcrbau's ein wenig umgeändert, aber nicht umgestoßcn. Darum ist die Bitte um Regen um das Gedeihen der Saat in gewissem Sinne gleichsam auch eine Bitte um das Gedeihen der Aussaat aus jedem anderen Gebiete des Erwerbs, des Handwerks, des Handels oder jeder sonstigen Thätigkeit. Entscheidend vielleicht ist jedoch folgende Erwägung: Im allgemeinen rührt keiner fleißiger seine Hände als der Bauer; mit dem Morgengrauen, wenn der Städter noch längst der Ruhe pflegt, erhebt sich der Landmann zur Sommerzeit von seinem Lager und zumeist begrüßt er die ausgehende Sonne auf dem Felde; er darf nicht rasten, auch wenn der Strahl versengend aus sein Haupt niederfällt. Wind und Wetter dürfen ihn nicht schrecken: aber wenn er nach Monden der Mühsal den Ertrag in sein Haus einbringt, so ist er dennoch nicht thöricht genug, sich zu rühmen, daß seine Arbeit allein ihm die Scheuer gefüllt hat. Dem Landmanne ist es zu offenkundig, daß all sein Mühen nichts fruchtet, wenn die Natur ihm zuwider ist, und cs wäre eine maßlose, ganz unnatürliche Thorhcit, dies zu leugnen. Für den ersten Augenschein ist dies Berhältniß bei mancher andern menschlichen Thätigkeit nicht so deutlich. Der Bauer sagt nicht: diese volle Scheune ist einzig und allein mein Verdienst, solch übermüthiges Wort würde erstickt werden von dem allgemeinen Gelächter, aber wer sonst Erfolg hat, ist gar zu leicht geneigt zu solch verwegener Rede, der übersieht die Gunst, die er dem Schicksal zu danken hat, und in widerlichem Hochmuth Preist er sich als den alleinigen Urheber seines Glückes. Da erinnert ihn dieses Gebet um Regen daran: alle Arbeit auf Erden ist wie