Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
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92 bie Aussaat, die du auf den Acker streust, gewiß trägt er keine Frucht ohne deine Mühen, und so giebt es aus Erden keinen Erfolg ohne Arbeit; aber wie die Saat nur gedeiht durch die Gnade Gottes dadurch, daß des Regens Fluth und der Sonne Strahl auf sie niedergesandt wird, so blüht jedes Menschenwerk nur empor, wenn das Auge Gottes freundlich auf ihm ruht: versteckt und verborgen sind oft die Fäden, die das Schicksal in unser Werk hineinwirkt, aber sie sind überall vorhanden: alles Thun ist dem des Landmanns geglichen und Ueberhebung ist es, einzig der eigenen Kraft zu vertrauen und sie allein als den Quell unseres Glückes zu betrachten; der Erfolg jeder Arbeit ist abhängig von dem Segen aus den Höhen, wie das Wachsen und das Reifen der Saat von der Wolke, die den Regen spendet. Lehrreich ist es, die Stelle zu betrachten, wo im Gebete die Bitte um Regen eingeschaltet wird; der zweite Absatz des Gebetes, das wir täglich an Werktagen wie an Festen sprechen, ist bekanntlich der Ausdruck unseres Dankes dafür, daß Gott dem Sterblichen eine unsterbliche Seele verliehen hat, daß er die Todten wieder aufleben läßt in einer bessern Welt. Und in diesen Segensspruch wird die Formel eingeschoben: Du sendest zur Erde die Regenfluth. Wie sehr offenbart sich hierin die Weisheit der alten Meister; die Saat, die wir in die Erde streuen, daß sie durch das stille Walten der Natur im Frühling eine Auferstehung feiert, dieses Wunder war schon unseren Alten ein Sinnbild der Unsterblichkeit unserer Seele, des Auslebens nach dem Tode; aber hauptsächlich haben sie deswegen diese Bitte um Regen in die Formel hineingebracht, wo wir Gott ob unserer ewigen Seele danken, weil ihnen Irdisches und Ueberirdisches keine Gegensätze waren, weil sie den religiösen Menschen keine Gegensätze sein sollen. Bei deiner Arbeit, durch die du um der Erde Segen wirbst, gedenke deiner ewigen Seele, dann sind deine Werktage nicht minder heilig als deine Feste. Es ist kein besonderes Verdienst, wenn wir in einer Stunde, wo die guten Menschen alle, die wir geliebt haben, und die wir verloren haben, uns vor die