Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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90 thümlich. Eben hat das Fest der Ernte seinen Abschluß gefunden, und schon den Tag darauf fordert uns die Religion aus, der künftigen Ernte eingedenk zu sein, für sie zu beten, für sie zu arbeiten. Ja zu beten und zu arbeiten, dein! wahrlich der ist kein Bittender, der ist ein Bettler, der von Gott Segen wünscht, ohne die eigene Kraft zu regen: jeder vernünftige Mensch weist den Trägen von seiner Schwelle, der Anderer Mitleid in Anspruch nimmt und selbst sich nicht rühren mag, der ist ein Unwürdiger, ein Bettler, der Segen begehrt ohne Arbeit; aber wiederum gewinnt die Arbeit erst durch das Gebet, einen freien, einen sittlichen Charakter; atich der Sklave arbeitet, aber er betet nicht um den Erfolg feines Schaffens, er thut dies höchstens, weitn er beim Mißerfolg die Strafe des Drängers fürchtet, aber wer für sich schafft, wem der Ertrag seiner Leistung eignet, der fleht um Erfolg, und so offenbart sich in diesem Einklang von Beten und Arbeiten der sittliche Charakter der freien Arbeit. Da mahnt uns denn das Gebet um Regen, das wir heut sogleich nach dem Erntefest zu Gott emporfenden: Tu darfst nicht feiern und Deine Hände müßig itt den Schoß legen, sondern kaum ist die Ernte in die Scheuer, so mußt Du sogleich an die Aussaat denken. Bedarf es erst einer weitern Ausführung, daß dieses Gebet tun Regen nicht gerade den Landmamt angeht, sondern überhaupt zu verstehen ist als eine Bitte um Erfolg in unserm Streben nach irdischem Gute. Dennoch hat es feinen guten Sinn, wenn die allgemeine Bitte um Erfolg gerade in die engere Form eines Gebets um Regen gekleidet wird. Zuvorderst war zu jener Zeit, als diese Satzung eingeführt wurde, Israel eiu fast ausschließlich ackerbautreibendes Bolk und erst durch die Ungunst der Zeiten sind wir von diesem Erwerb verdrängt worden; nicht Mose, nicht unsere Gesetzgebung, sondern uitscre Feinde haben uns zu einem Bolk non Kaufleuten gemacht, um dies nachträglich uns noch vorzuwerfen. Dies jedoch ist nur eine äußerliche Erklärung; wichtiger ist schon, daß der Segen fast jedes Berufes mehr oder minder