Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
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85 und sein Gefolge sind die Krankheit und das Verbrechen. Dies junge Reis ist störrisch und knorrig geworden! warum? es sah die Eltern leiden, obgleich sie brav waren, es sah sie arbeitslos, obgleich sie fleißig waren und gern hätten schaffen mögen, wenn sie nur Arbeit gefunden hätten, er sah seine jungen Spielgenossen fröhlich und heiter, denn sie hatten Alles und er darbte, da nistete sich die Mißgunst in die junge Seele, er konnte sich nicht fügen in diese Ordnung, die für ihn und die Seinen Entbehrung und hoffnungslosen Kummer bedeutete, und er empörte sich wieder diese Ordnung und wurde zum Verbrecher und erbarmungslos schlugen sie ihn in Ketten. Ist es gar so wohl bestellt in einer Gesellschaft, in welcher Erscheinungen dieser Art nicht etwa zu den Ausnahmen gehören, sondern an allen Orten zu allen Stunden sich wiederholen? Wie fände der ein Ende, der ein Bild entwerfen wollte von der menschlichen Noth: sic drängt sich in unzähligen Füllen gewaltsam auf, häufiger aber, viel häufiger noch entzieht sie sich unserm Blick, versteckt sie tiefe Wunden unter die tausend Blumen, wir sehen das lächelnde Antlitz und nehmen mcht das zerrissene Herz. Aber nur eine einseitige Betrachtung läßt sich daran genügen und bringt sich, wie der Schüler, der nuL von eänem Lehrer lernt, sich um den Segen des Unterrichts ' bringt, durch dieses Verhalten um den Segen des Lebens. Ist eine Gegend häßlich, wenn sie nach einer Richtung hin öde ist, und ist unser Urtheil billig, sobald wir auf der Höhe eines Aussichtspunktes, bevor wir nach allen Seiten uns umgeschaut haben, abfällig, oder beifällig uns aussprechen? Ja kommt es bei dem Eindruck.einer Landschaft nicht wesentlich darauf an, ob das Auge des Schauenden verwöhnt ist durch die Mannigfaltigkeit und Schönheit der Eindrücke, die es schon empfangen hat, oder ob es bisher noch nicht viel des Schönen erblickt hat: ״Wer gelebt hat in den bösesten Tagen, dem werden die bösen selbst behagen." So scheinen uns, weil wir die gesteigerte Genußfähigkeit cultivirter Menschen haben, viele Zustände als unerträglich, die von denen, welche