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Israelitisches Predigt-Magazin · 1890-01-01 · 1890 · p. Seite 84

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
8 (1890)
Issue
1890
Date
1890-01-01
Page
Seite 84 (sequence 90)
Language
German
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84 Eigenheit, hat neben Vorzügen, die seine eigenthümliche Größe bilden, seine kleinen Schwächen, und der Schüler in dem begeisterten Streben dem Meister nachzueifern, ahmt ihm nach in Schwächen, in gleichgültigen Aenßerlichkeiten oder er übertreibt die Eigenart des Musters, und was bei diesem Originalität war, wird bei jenem Manier und artet in Wunderlichkeiten aus' So wird .der Jüngling trotz allen leidenschaftlichen Eifers nicht mehr als eine schlechte Kopie, und der Talmud, trotzdem er die Verehrung des Lehrers aufs dringendste empfiehlt und sich zu dem Satze versteigt: ״die Furcht vor deinem Lehrer soll sein wie die Furcht vor deinem Gott", warnt davor, sich einem Lehrer unbedingt hinzugeben, sich nur nach einem Vorbild zu bilden; denn darin liege kein rechter Segen, sondern, wie, wer das Leben kennen lernen will, nicht im engen Gesichtskreis der Heimat verharren darf, sondern vieler Menschen Städte und Sinn und Sitten erfahren muß, wie der Handwerker den Wanderstab in die Hand nimmt, um seine Handfertigkeit zu vervollkommnen, so muß besonders der Jünger der Wissenschaft, wenn er es vermag, zu^vpelen Lehrern wallen, um sein Auge zu öffnen, um sich vor Einseitigkeit zu schützen. Aber am Ende sind alle Sterblichen, ob Jung oder Alt, Lernende und auch in der Schule des Lebens ist die Gefahr gar groß einseitig zu werden und entweder Alles gar zu ernst und schwer zu nehmen, oder allzu leichten Sinnes sich dem Strome des Vergnügens hinzugeben. Die Welt fliehen rst die Parole der Einen, die Welt genießen die Losung der Andern. Die Einen suchen alles Düstere und Trübe hervor und geben sich mit Vorliebe den Betrachtnngen hin, wie viel Noth und Elend auf Erden sei, die Andern sehen überall Licht und Heiterkeit, finden es auf Erden wunderschön, da cs ihnen gnt geht. Wer hat Recht? * Wir treten in die Wohnungen der Armen und sehen das Uebermaß der Noth; der Mangel schwingt seine Geißel,

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