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Israelitisches Predigt-Magazin · 1890-01-01 · 1890 · p. Seite 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
8 (1890)
Issue
1890
Date
1890-01-01
Page
Seite 77 (sequence 83)
Language
German
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77 Verhütung des Schlimmeren, die Wunde als den Anfang der Heilung; dann werdet ihr alle als rechte Israeliten an dem Wechsel des Jahres bekennen das Wort: ״Großes hast du gethan, o Herr, niein Gott, Deine Wunder und Deine 'Gedanken über uns, nichts läßt sich Dir vergleichen." Von dem engen Kreise der Unseren bewegt sich unser Blick hinaus über die Gesammtheit in Israel, um zu verstehen den Fingerzeig Gottes in dem, was er gethan hat an Israel seinem Volke und auch hier müssen wir bekennen, daß wir dankend die göttliche Lenkung unserer Geschicke zum guten einsehen. Freilich ergreift uns ein Gefühl tiefer Trauer und aufrichtiger Beschämung, wenn wir daran denken, daß gerade vor hundert Jahren zum ersten male ein Staat die Gleichheit aller Menschen als Gesetz Proklamierte, daß die Anregung dazu von einem Mitgliede jenes Standes ausging, welchen wir gewohnt sind, als Verfechter der selbstsüchtigsten Standesvorurtheile zu betrachten. Wir denken mit Schmerz und Trauer im Herzen daran, daß wir damals, wo ein katholischer Priester eine Schutzschrift für die Bekenner des israelitischen Glaubens schrieb,*) ein Recht hatten an die Ankunft besserer Zeiten zu glauben: Und jetzt nach vollen hundert Jahren sind alle diese Errungenschaften wieder in Frage gestellt. Wir sehen die Bewohner stolzer Burgen herabsteigen zur ärmlichen Hütte, wir sehen die zarten Finger des Edelmannes die schwierige Rechte des Arbeiters fassen, das ist auch eine Verbrüderung, aber eine Verbrüderung zum Hasse, zun! Kriege, zur Gewaltthütigkeit gegen unschuldige Mitmenschen. Mit dem Propheten rufen wir zu der denkwürdigen Centennarfeier: ״Gehet nicht erhobenen Hauptes, denn es ist eine böse Zeit." (Mich. 2,3.) Und doch dürfen wir auch in dieser Zeit uns stärken mit den Worten des Gottesmannes (Klaget. 3,1), ״der gesehen hat das Elend mit dem Stabe seines Grimmes", (ib. 22): ״Die Gnade des Herrn ist unendlich, nie hört auf sein *) Gregoire, Essai sur la regeneration — des Juifs (1789).

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