Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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76 welche der Gedanke an die Ewigkeit uns abzwingt, sehen wir den Jahreszeiger am Ende seines Umlaufes, sehen wir einen neuen Jahresring gebildet an dem Stamme der Unendlichkeit, ein neues Glied geschlossen an der Kette der Ewigkeit, ein neues Blatt beendigt in dem großen Hauptbuche der Weltgeschichte und in diesem Augenblicke ist von all den Gedanken die auf uns einstürmen der eine der mächtigste, der uns sagt: ״Großes hast du gethan, o Herr!" Unwillkürlich streift unser Blick über die Reihen unsrer Versammlung. Mit Dank im Herzen bemerken wir, wie gering die Lücken sind, die der unerbittliche Tod in unseren Reihen zurückgelassen hat, bemerken wir, daß nicht all zu Schweres der Herr uns auferlegte; ״er hat das Mühen unsrer Hände gesehen und zu unfern Gunsten entschieden". (I.M.31,42.) Mit Dank im Herzen denken wir an die schweren Ver- Hängnisse, die uns bedrohten, aber an uns vorüber gezogen sind, .,daß der Herr seine wunderbare Gnade an uns bewies" (Ps. 31,22) ״daß er erhörte, *wenn wir zu ihm riefen" (Ps. 4,4). Dankend gedenkt der Gatte, daß der Herr ihm erhalten hat die Mutter seiner Kinder, dankend gedenkt die Gattin, daß der Erhörer aller Gebete ihr wiedergegeben hat das Haupt ihrer Familie, den Beschützer ihres Heims, dankend gedenken Kinder und Eltern der Augenblicke, wo sie sich einander wiedergegeben sahen und in allen lebt der Ruf: ״Großes hast du gethan, o Herr!" Wohl giebt es auch unter uns manche, die nicht mit vollem Herzen einstimmen können in das allgemeine Dankgebet, manche, die die Hand des Herrn getroffen hat in dem, was ihnen das Liebste ist, manche, die sich einen Augenblick wohl veranlaßt sehen mochten zu sprechen, (Jerem. 12,1) ״gerecht bist Du, o Herr, daß ich mit Dir streiten sollte, doch über Dein Recht will ich mit Dir reden," aber gerade an ihnen liegt es zu bewähren den Opfermuth, welchen der Herr von seinen Frommen verlangt, das Böse zu erkennen als Quell des Guten, das Unglück zu betrachten als die