Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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46 aufwallt, wen« der Gerechte leidet, der mag noch allenfalls die Gunst der Welt erfahren; aber wer seine eigenen Wege geht, wer die Andern überragt und deswegen überschaut, wer der: Mnth seiner Meinung hat, der muß sich vorsehen; jede seiner Handlungen wird übel beurtheilt, die Engherzigkeit läßt sein großes Herz nicht gelten, seinen Mnth nennt sie Trotz, seine Lust an eignen Wegen nennt sie Eigensinn, seinen Schaffensdrang heißt sie Ehrgeiz, seine Genialität ist ihr Ueberspanntheit, kurz, da die großen Fehler bekannt-!ich den großen Tugenden benachbart sind, so weiß die Mißgunst die Nachbarschaft vortrefflich auszunutzen, um die Tugenden in Fehler zu verkehren; sich anszeichnen ist Grund genug, daß die Fremden Geist und Kraft eines Menschen zum Zerrbild verzeichnen. Die Welt giebt einen Namen, aber der Name paßt nicht zur Sache, zur Wirklichkeit. Der dritte Name ist der, mit dem der Mensch im Buche der Schöpfung eingezeichnet ist; d. h. 'jeder kommt mit eigenthümlichen Anlagen zur Welt und wird in eigenthümlichcn Verhältnissen erzogen; wie nicht zwei Menschen in ihrer äußern Erscheinung sich völlig gleichen, so auch nicht zwei in ihrem Naturell und den Bedingungen ihrer Erziehung; wenn nun ein Knabe von seinem Lehrer, einem kundigen Manne, beobachtet wird und dieser ihm einen scharfen Berstand zuschreibt, wenn die Eltern dem Kinde ein behagliches Dasein bereiten und ihm eine gute Erziehung geben, so spricht, wie es scheint, Alles dafür, daß ein tüchtiger, trefflicher Mann sich aus diesem Knabe entfalten werde; ein anderer Jüngling lebt in kümmerlichen und engen Berhältnissen und seine geistige Kraft ist keine besonders starke; da erwarten wir nicht viel von seiner spütern Entwicklung; aber nach Jahren treten uns diese beiden Menschen entgegen und von dem, der so viel Hoffnungen erweckte, der für ein Wunderkind galt, paßt das bekannte Wort: das Wunder ist fort, und das Kind ist geblieben; der andere aber ist tüchtig und sein Name ist geehrt. Auch die Namen sonach, mit denen die Menschen im Schöpfungsbuche eingezeichnet sind, d. h. ihre