Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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45 die Kinderstube verlässt, wie es in die Schule, iu's Leben tritt, so wird das llrtheil der Nebcnmenscheu aufgerusen; ob auch widerwillig, müssen sich die Eltern kümmern um die Meinungen Anderer; aber das Elternhaus bleibt der Ort, wo deine Leistungen die dankbarste Anerkennung, deine Fehler die rascheste Verzeihung finden. — Erhalten wir indes; ein rechtes Bild voll dem Character, den Geistesanlagen uild der Thal eines Menschen, wciln wir von den Eltern, von den Geschwistern es uns zeichnen lassen? Es fehlt diesen fast die Fähigkeit wahr zu sein; und selbst wo der Verstand zu klar ist, um ganz erdichtete Vorzüge dem Kinde anzu zeichnen, werden doch die vorhandenen Vorzüge so stark übertrieben, so kräftig ausgetragen, und die Fehler so abgeblaßt, daß man mit Mühe die Achnlichkeit heraussindet. Das ist der erste Name des Menschen, ein falscher Name. Den zweiten giebt ihm die Welt, die böse Wett, wie man wohl zu sagen pflegt; zwar urtheilt die Welt über sich selbst zu böse, wenn sie sich sogleich die böse nennt; es ist oft nicht halb so schlimm gemeint, als es geredet wird; aber hart und lieblos ist zumeist das Urtheil der Freinden; und selbst die ״gute Gesellschaft" gehört zur bösen Welt; rasch und leicht kommt das tadelnde, das neckende, das nergelnde Wort über die Lippen; schwer und spröde ist das Wort der Anerkennung; der Dichter sagt: ״ich bin ein Mensch gewesen, und das heißt ein Künlpfer sein", und gerade den Besten wird der Kamps am schwersten; denn sie stehen der Mittet- Mäßigkeit fast überall im Wege; dem Saul, der um Kopseslänge über seine Genossen hervorragte, passirte es, daß er, als er sich verbarg, hervorgesucht wurde, vollends wer geistig seine Genossen überragt, der muß sich hübsch ducken und bescheiden sein, wenn er anderes hervorgesucht werden soll; aber diese Taktik ist den Tüchtigen selten genehm; so werden sie angeseindet, weil sie besser sind als Viele; wer mit Anstand aus betretenen Bahnen schreitet, wer int Geleise von aller Welt sich bewegt, wer gleichgiltig den Triumph der Listigen oder gar der Schlechten sehen kann, wen: das Blut nicht