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Israelitisches Predigt-Magazin · 1890-01-01 · 1890 · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
8 (1890)
Issue
1890
Date
1890-01-01
Page
Seite 44 (sequence 50)
Language
German
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reichen Talmudstellen, die durch ihre seltsame Fassung abstoffen und wieder anziehen; wie das Rüthsel, so lauge wir nichr seine Lösung kennen, uns sinnlos erscheint und doch wiederum einen Sinn vermuthen lägt, den wir gern herauslocken möchten, so lockt die talmndische Sentenz durch ihr eigenthümliches Gewand: der Sinn wird verschleiert, um durch den Schleier die Neugier des Betrachters nur noch mehr zu wecken. Ein Rüthsel reizt, und darum fat der Cricitt überhaupt und sodann auch der Talmud seine Weis heitssprüche mit Absicht in eine räthselhafte Form gekleidet. Drei Namen hat der Mensch; bekanntlich begnügen sich die Menschen, die Wenigen ausgenommen, denen die Geschichte ihr Siegel ausdrückt, weil sic der Geschichte das Siegel ihres Geistes cingcprägt haben, bekanntlich begnügen sich die Meistert mit eirrem Namen; aber dieser ist ein Werk des Zufalls und etwas ganz Nebensächliches und wenn auch Ettern mit gar wichtiger Miene bei der Geburt eines Kindes die Nameit prüfen, um nur ja den schönsten herauszusuchen, so ist solche Eitelkeit nur dem überströmendcn Elternglück allenfalls zu gute zu halten. Was also will der Talmud mit den drei Namen? Offenbar sprechen die Weisen von den verschiedenen Benrthcilungen, die der Mensch in seinem Leben erführt. Da sind zuerst Pater und Mutter; o wie liebliche Namen erhält da das Kind; schon von frühester Kindheit an wird jede Miene, jedes Wort mit dem frcnndlichsten ilr theil, ja mit verblendetem Bornrrtheil begrüstt und dürste mau den Eltern glauben, so könnte man das Dichterwort: ans dem Munde der Kinder und Säuglinge hast du Mächtiges gegründet, getrost buchstäblich nehmen. Eine Mutter wird nicht tnüde, Äindeswortc, die nur ihr aufsallen, als vonresst liche Weisheit allen Leuten zu erzählen, und ein verständiger Mensch nimmt dies kaum übel, denn soll schon die Thorheit einen Platz haben, so ist noch die Thorheit aus Mutterliebe die allercrfreulichste. Das ändert sich freilich mit den Jahren; wie das Kind

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