Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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42 sein und gesetzt, die Gottheit wollte Allen, die um Gold bitten, diesen Wunsch erfüllen, so wäre der allgemeine Reichthum ein Zustand, der von der allgemeinen Armuth sich nicht viel unterschiede. Wie jener Weise fragt: Wirst du als Weltbeherrscher glücklicher sein, so ist auch die Frage berechtigt: Ist der Reiche glücklicher? Zugegeben, daß er manche Sorge nicht kennt, die den Armen quält. Aber wenn ihm der fröhliche Sinn versagt ist, der sich harmlos freut, so schafft er sich täglich neue Sorgen, neue Qualen, die ihn darum nicht weniger foltern, weil diese Feinde aus seinem Innern stammen; nur daß der Reiche mit seinen eingebildeten Sorgen noch ein Gegenstand der Lächerlichkeit wird, während der Arme mit seinen wirklichen ein Gegenstand des Mitleids ist. O wenn es doch den Menschen klar würde, daß wenig bedürfen beglückender ist, als viel besitzen! Welch' ein Fegefeuer ferner hat der Ehrgeizige zu durchschreiten. Seine Gedanken muß er unterdrücken, er muß entweder der Menge oder den Mächtigen schmeicheln, ja man könnte sagen, er muß seine Ehre preisgeben, um Ehren zu gewinnen. Und wo macht der Ehrgeizige Halt? Er kann nicht rasten. Jede Ehre, die er gewonnen hat, wird ihm nur zur Staffel, die ihn weiterführt, bis er oft von der mühsam erklommenen Höhe in einem unglückseligen Moment hinab in die Tiefen stürzt. Unsere Alten sagen: ״Nur das Gebet dessen wird erhört, der sich in eine Reihe mit den andern Menschen stellt"; indem er dies thut, sind viele Wünsche, die andere Sterbliche hegen, ohne weiteres ausgcschieden, denn jene unglückselige Erregung ist zur Ruhe gebracht, die immer reicher und immer geehrter als die Andern sein will. Wenn der Blick in's Leben uns nicht bessert, das so oft uns zeigt, daß der Böse untergeht in den Stürmen seiner Seele, so sollte doch der Tod uns mahnen, unser Erdenglück zu suchen in der Einfachheit und möglichsten Einschränkung unserer Bedürfnisse; wer wenig bedarf, der