Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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39 ein prächtiges Landschaftbild, das keine Wirklichkeit hat, immer weiter hineinlockt in den Sand und die Oede, so ist dem Ehrgeizigen, den: Gewinnsüchtigen, sein ganzes Dasein ein Hinschreiten durch die Wüste, an deren Rand er all das Herrliche erblickt, das ihm ständig nahe scheint und ständig fern bleibt. Gewiß soll der gute Mensch auch zu Opfern bereit sein, er soll sein Gut, seine Gesundheit, sein Leben, wenn es sein muß, in die Schanze schlagen, um der Wahrheit und dem Rechte zu dienen; überdies wird nur selten gefordert; und in den seltenen Fällen, in denen es verlangt wird, wird der bessere Mensch beseligende Freude in dem Bewußtsein finden, mit Gütern, die doch vergänglich sind, der ewigen Wahrheit zu dienen. Die Religion verwirft nicht den so natürlichen Wunsch des Menschen nach persönlichem Glücke; es wäre auch sonderbar, wenn Gott, den wir als den Allgütigen preisen, vernunftbegabte und für die Freude empfängliche Wesen in die Welt gesetzt hätte, mit der Aufgäbe, sich zu quälen und nie des Daseins froh zu werden. Wenn wir an einen guten Gott glauben, so müssen wir auch annehmen, daß der Mensch zum Glücke geboren ist, nur kann sich naturgemäß nach dem Willen Gottes nie das Glück des Einen auf den Ruinen des Andern erheben. Ties und wahr wird das Streben nach falschem Glück durch das gewaltige Wort des Propheten geschildert: Die Bösen sind wie ein aufgewühltes Meer, ruhen kann es nicht, und es wühlen auf seine Wellen Schlamm und Lehm. ״Seht", sagen die Alten, ״eine Welle nach der andern bricht sich an der tosenden Brandung; so verlieren die Bösen Ruhe und Frieden im Sturm der Leidenschaften, einer nach dem andern richtet sich zu Grunde, aber ungewarnt stürzen sie sich, wie Welle auf Welle, aufs Neue gegen den Felsen, an dem sie zerstieben." Der Stolz, der Niemand neben sich dulden möchte, ist nicht nur der Feind der Nebenmenschen, er ist auch der schlimmste Feind des eigenen Glückes.