Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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VI. Rede zur Seelenfeier am Kersöhnnngstage. Die Bösen sind wie ein aufgewühltes Meer. (Jes. 57,20.) M. A.! Ein mächtiger König, der zu allem andern Luxus eines großen Hofstaats auch einen wegen seiner Weisheit berühmten Mann in seiner Nähe dielt, entwickelte diesem wohldurchdachte Pläne, die Grenzen seines Reiches zu erweitern; immer mehr sollte das Gebiet wachsen, über welches sein Scepter waltete und nur an den Enden der Erde endete seine Herrschbegicr. Gelassen horchte der Weise aus alle diese Pläne, aber statt sein Urtheil abzugeben, ob er sie für folgerichtig und durchführbar hielte, erlaubte er sich nur den Einwurs, ob denn der König, wenn er die Welt sich unterworfen hätte, glücklicher sein würde, als setzt. Darauf fand der Fürst keinen Bescheid, bald aber gab ihn das Schicksal; denn bei der Belageruug einer Feste warf eine Frau einen Stein auf seinen Kopf und all das ruhelose Planen fand ein jähes Ende. Die Frage des Weisen, wirst du als Weltbeherrscher glücklicher sein? hat, wie es scheint, em selbstsüchtiges Gepräge; setzen wir den Fall, daß wirklich aus dem Wege, den dieser gewaltthätige Eroberer einschlug, das Glück zu erreichen wäre, so blieb es ja immer ein Unrecht, ihn ein- Zuschlägen, denn wer darf seinem Glücke tausende hinopfern? Aber der kluge Mann ergreift den Zipfel des Gesprächs, bei dem er den Tyrannen am ehesten glaubte sesthalten zu können und meldet uns die wohlthätige Wahrheit, daß eigenes Glück sich mit dem Heil und Behagen der Genossen sehr wohl verträgt, ja, daß sogar unser persönliches Wohl wesentlich bedingt ist durch die Steigerung des öffentlichen Wohles; nur das Schcinglück erhebt sich aus den zertrümmerten Gütern der Genossen; wie den Wüstenwanderer