Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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28 verziehen" und Gott wird deine redliche Arbeit tausendfach segnen, ja du giebst dem bescheidenen Eintrag selbst den Segen durch das Bewußtsein, daß er redlich erworben ist. Die einfachste Speise bekommt einen Hochgeschmack, wenn sie durch redliche Arbeit erreicht ist; das köstlichste Mahl ist vergiftet, wenn Trug und Sünde mit zu Tische sitzen. Die Schleier und Hullen, mit denen wir unser Unrecht verbergen möchten, sie hindern auch, daß Gottes Liebe dorthin dringt und es bannt und beseitigt. Das ist, was der Prophet sagt: ״Wir wollen unsere Wege durchfurchen und durchforschen und umkehren zu Gott." Wenn wir nach allen Richtungen hin die Wege durchfurchen, aus welchen wir zu unfern Thaten gekommen sind, dann erkennen wir, daß wir diese Wege gewählt haben aus freier Neigung, daß Niemand uns geführt hat als unser Wille. Rabbi Jochanan, ein Meister talmudischer Weisheit lehrt: ״Von dem Tage an, an welchem Gott gesprochen: sieh', ich lege heute dir vor das Leben und das Gute und den Tod und das Böse, kommt Gutes und Böses nicht von Gott unmittelbar, sondern ohne Weiteres kommt das Gute denen, die Gutes thun, und Böses denen, die Böses üben. ״Viele fahren aus schwankendem Bote hinaus in die Fluthen; nun kann es freilich sich ereignen, daß ein Sturm auch den gewandten und vorsichtigen Segler iu's Verderben bringt; aber dieser seltene Fall kommt kaum in Betracht gegenüber der Erfahrung, daß, wer auf dem Wasser Bescheid weiß, auch gewöhnlich sein Fahrzeug unversehrt wieder heimbringt; wer freilich thörichter Weise ohne jede Kunde hinausführt, wird oft auch beim ruhigsten Wetter eine Beute der Wellen und kann nicht als ein Opfer des Mißgeschicks gelten. So darf auch nicht Jeder, der auf der Fluth des Lebens scheitert, die Wellen anklagen, sondern zuerst mag er sich nur selbst prüfen, ob er feinen Nachen zu lenken versteht. Das ist die wichtigste Mahnung dieses Tages: wir dürfen mit Gott und mit unserm Gewissen kein Versteckspiel treiben, wir müssen uns zu unfern Thaten bekennen, in unserm B c-