Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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22 oft selbst dem Ernstesten und unbedingt Gerechten den Stempel der Lächerlichkeit aufprügen, das gilt auch von dem Streben, manche Vorurtheile, welche den Frauen im Wege stehen, zu beseitigen. Nur ist es nicht recht, zu behanpten, daß erst die Gegenwart die Bedeutung der Frau für die Entwicklung alles Hähern Lebens zu würdigen im Stande ist. Nein, nicht nur die Geschichte Israels, sondern die Geschichte und Kultur der alten Zeit überhaupt, bezeugt vielfach das Gegentheil. In Israel stand neben Mose Mirjam als Genossin in dem schweren Amte, das aus Aegypten gezogene Volk zu lenken; Deborah, die Richterin in Israel, erwies sich größer als ihre Gefährten, weil sie ihre Thaten in einem herrlichen Liede verewigt hat. Gewiß offenbart sich die Herrlichkeit des Weibes vor Allem im Walten der Hausfrau. Aber die Lebcnsordnung, welche ein Mose einführte, wollte nicht die Frauen in den Zelten abschließen, daß sic träg und müßig ihre Tage dahinbringen, sondern er wollte die Frau zur wichtigsten Stütze des religiösen Lebens nützen. Zu der feierlichen Volksversammlung, in welcher die große Angelegenheit des isr. Volkes, nämlich die Religion, verhandelt wurde, wurden auch die Frauen gerufen; es gab im Tempel zu Jerusalem nicht, wie in Rom Hüterinnen des heiligen Feuers; aber höher scheint die Ausgabe, an jedem häuslichen Herde die heilige Flamme zu hegen und zu schüren. Der Frau ist nach ihrer Gemüthsart, nach ihren natürlichen Lebenserfahrungen die Religion besonders wcrth; es giebt ein übermüthigcs Wort: was die Frau will, will Gott; dieser Satz bekommt seinen richtigen Sinn, wenn man ihn umkehrt was Gott will, will die Frau; sie vor Allem ist berufen und folgt dem Ruse, Gott in unsere Häuser zu führen. Aber in der großen Volksversammlung fehlten auch die Unmündigen nicht? Was bezweckte deren Anwesenheit,,die ja die hohen Worte nicht begriffen, denen die herrlichsten Lehren nur wie ein leerer Schall ins Ohr tönte?^Unsere Alten haben darüber folgende Erzählung: ״Einstmals besuchten zwei Jünger den Rabbi Josua am Feste, um dein