Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 8 (1890)
- Issue
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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— 21 — kann ihm Keiner helfen und erst, wenn er in sich klar und lauter ist, darf er von Gott Verzeihung erhoffen. Ein Israelit kann nicht seine Bitten einem Andern auf erlegen, weil er sich selbst für unwürdig hält, er kann nicht zehren vom Verdienste verstorbener oder noch lebender frommer Gottesverehrer, sondern er muß selbst sein Gebet vor Gott tragen, und wie könnte er das, wenn ihm sein Herz sagte, daß er völlig unwerth sei der göttlichen Gnade? seine Demuth mag ihm Vorhalten, daß er vor der göttlichen Gerechtigkeit nicht bestehen kann, aber gerade wegen dieser Demuth ist er der Gnade würdig, die den strengen Spruch der Gerechtigkeit tilgt und verlöscht. Wie bei einer Volksregierung jeder Bürger das Gefühl der Verantwortlichkeit haben muß für Alles, was vom Staate geschieht, so hat auch in Israel, weil wir Alle gleich sind vor Gott und in gleicher Weise berufen sind unserm Glauben zu dienen, jeder sich zu rechtfertigen ob seiner Theilnahme an der Arbeit für das Reich Gottes. Diese Arbeit ist nach Beruf und Geistesrichtung eine verschiedene, aber Jeder soll sic leisten, wer sie versäumt, hat sich selbst ausgeschlossen von der Volksversammlung, zu der von Rechtswegen Alle gehören. Jedoch auch die Frauen gehören zu dem großen Verein, wenn in weihevollen Tagen die Religion auf's Neue den Gemüthern eingeprägt werden soll. Es wird viel gefabelt davon, daß erst in der Neuzeit der Frau die würdige Stellung in der menschlicken Gesellschaft eingeräumt wird. Nun bis vor kurzer Zeit war Freiheit überhaupt nur das Erbe Weniger. Die Menschen waren im Allgemeinen Hörige und Knechte; die Frauen hatten nichts voraus imd konnten eigentlich nicht zurückstehen; es hat sich seit Jahrhunderten in der Literatur ein schwärmerischer Kultus der Frauen ausgebildet; aber diese Schwärmerei hatte nur die Bedeutung eines anmnthigen Spiels der Phantasie und blieb ohne Einfluß auf das praktische Leben. So viele berechtigte Bestrebungen unserer Tage leiden unter den Ucbertrcibnngen, dei