Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1879-01-01 · 1 (1879) · p. Seite 215

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
5 (1879)
Issue
1 (1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 215 (sequence 228)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9616701-9617473-9617474--1649-9617697
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

215 — modernen Civilisation, der größten und schönsten Stadt des Kontinents, sich Scenen ereignet haben, wie sie kaum jemals gräßlicher gewesen sind, weil sie kaum gräßlicher gedacht werden können? für einen Moknent waren die Bande der staatlichen Ordnung gelockert, und es geschahen Gräuel, welche denen Recht gaben, die die ganze vielgerühmte Humanität unserer Zeit nur Heuchelei und ein Schattenbild schelten. Und wir wollen nicht ungerecht sind; nicht die rohen Mafien allein haben gesündigt, die die herrlichsten Stätten dieses Erdtheils in Trümmerhaufen gewandelt, die gegen Religion und Kunst, die gegen alles Hohe und Heilige schonungslos gewüthet, die, ich möchte sageu, das Verbrechen zu einer politischen Doctrin erhoben haben; auch die befiern Gesellschastsklafien, als sie siegten, sie haben nicht Gerechtigkeit, sondern Rache geübt, es wa ׳ die entfesselte Wuth des Klassenkampfes, die hüben wie drüben Schändliches geboren hat; und die hochherzige Nation, der Bildung und Gesittung, so viel verdanken, die zwar so oft unsere Feindin gewesen ist, die wir aber nicht unfern Erbfeind nennen sollten, hatte sich plötzlich in eine Horde von Barbaren gewandelt, und es machte wenig aus, daß hier die Barbaren den Kittel der Arbeiter trugen und dort den buntgeschmückten Rock und die Titel von Herzögen und von Fürsten. Wie vorsichtig drückt sich doch dieser R. Chanina aus. Er sagt nicht: wäre nicht die Furcht vor der Obrigkeit, so würde der Arme den Reichen, der Niedrige den Hohen, sondern er sagt, so würde Einer den Andern lebendig verschlingen. Er wußte es ganz gut, daß, wenn die Säulen der Ordnung niedergerissen sind, in dem erbitterten Kampfe der einzelnen Gesellschaftsklassen weit weniger Schonung und Erbarmen gegen den besiegten Landsgenossen geübt wird, als gegen den äußern Feind. ׳Aber diese staatliche Ordnung ist am besten geschützt in einer von weisen Gesetzen umhegten Königsherrschast. Die Majorität ist oft nichts Anderes, als die Gewalt in der Form des Gesetzes, sie ist nicht selten gefälscht, durch künst-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.