Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 227)
- Language
- German
- Belongs to
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214 besonders auch deswegen, weil es uns bildet und belehrt, weil es uns schützt und fördert; auch die Staaten, die keinen Monarchen an ihrer Spitze haben, bedürsen solcher nationalen Feste, in denen die Bürger von einem freudigen Staatsbewußtsein emporgehoben werden; und wenn wir heut von den nordischen Gestaden bis hinunter zum Saum der Alpen den Geburtstag unseres kaiserlichen Herrn feiern, so ist es, wenn ich das Gefühl des Volkes recht verstehe, nicht nur die Feier eines einzelnen Mannes, die das Volksgemüth bewegt, sondern es ist gleichsam das Geburtstagsfest des Staates, das wir begehen, wir freuen uns Glieder zu sein dieses großen Gemeinwesens, das in der Persönlichkeit des Fürsten sein erhabenstes Symbol verehrt. Wir huldigen allerdings dem F ü r st e n, der durch seine Treue, durch seine Tüchtigkeit, der durch die Reinheit seines Wollens unk die Trefflichkeit seines Vollführens sich des hohen Platzes würdig erwiesen, auf den ihn die Vorsehung gestellt hat, aber der Gegenstand unserer Freude ist nicht minder der starke und mächtige Staat selbst, der in dem willenskräftigen und edlen Fürsten gleichsam persönlich geworden ist. Darauf beruht die Größe und die Kraft unseres Fürsten- Hauses, daß in diesem Lande Staat und Herrschergeschlecht so innig ineinander gewoben sind, wie wol in keinem andern Lande der civilifirten Welt. Man wirft uns Deutschen vor, daß wir, wo immer in der Welt republikanische Einrichtungen auftauchen, denselben günstige Gesinnungen entgegenbringen, dagegen daheim gut monarchisch gesinnt bleiben. Aber gerade weil wir die volksthümliche Monarchie aus unserem eigenen Gefühl kennen, darum gewinnen wir kein Vertrauen zu Versuchen da die Königsherrschaft einzuführen, wo sie nicht in das Volksgemüth ihre tiefen Wurzeln geschlagen hat. R. Chanina hat Recht: wenn die staatliche Ordnung nicht wäre, so würde Einer den Andern lebendig verschlingen; und am wenigsten sollte die Gegenwart gegen diesen Satz viel einwenden; sind es denn siebzig oder sind es nicht vielmehr nur sieben Jahre her, daß zur Frühlingszeit im Muttersitze der