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Israelitisches Predigt-Magazin · 1879-01-01 · 1 (1879) · p. Seite 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
5 (1879)
Issue
1 (1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 200 (sequence 213)
Language
German
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200 sein, wenn sie, dazu berufen zusammen zu arbeiten, sich die Hände zu reichen zu dem gemeinsamen Merke der Bildung und Gesittung, sich wie Feinde gegenübertreten. Wäre es nicht gar sehr wunderlich, wenn Jemand mit besonderem Eifer die Frage erörterte, ob man dem Vater oder der Mutter mehr folgen müsse, da doch in den meisten Fällen die vernünftige Voraussetzung gelten kann, daß Eltern stets das Gleiche fordern werden. Und nun wühlt und wüthet dieser nur durch ungeheure Irrungen möglich gewordene Streit wie ein Dämon der Nacht und entfesselt jede finstere Leidenschaft, jeden bösen Gedanken und bewaffnet selbst die Hand des Meuchlers gegen den Mann, der zur Erneuung Deutschlands so Vieles gethan hat, der, mag er nun irren oder das Rechte finden, stets mit seinem Herzen bei seinem Volke gewesen ist, der die eigene Größe mit gutem Recht nur geborgen wähnt hinter dem Schilde der Größe des Vaterlandes. Wie die brausende See hat sich die Leidenschaft über das Land ergossen und selbst die Besonnenen mit sich fortgerissen, daß das Vaterland wie dereinst in den schlimmsten Tagen unserer Geschichte in zwei Lager gespalten ist, und wer treuen Sinnes ist, der hört traurig das wilde Getümmel der Geistesschlacht, die ja, wie es nicht anders möglich ist, nicht ausschließlich mit geistigen Waffen ausgefochten wird. Hier die Klage über Unterdrückung, dort die Anklage des Verraths, dazwischen eine kleine Schaar, die ungehört zum Frieden mahnt. War es wirklich nur ein schöner Traum, der uns Deutschland geeint zeigte Sollte es so schwer sein die Bande des Staates um die Stämme zu winden, denen die Frucht vielhundertjähriger Geistesarbeit gemeinsam ist, die so viele erhabene Denker, so viele herrliche Sänger, ob nun im Nord oder im Süd, im Ost oder im West ihre Wiege gestanden hat, als ihrer Aller Eigenthum und Kleinod verehren? Sollte es wirklich möglich sein, daß der Sohn die Mutter verräth, daß deutsche Männer die Heimath den Fremden sollen preisgeben können, weil die Partei ihnen höher steht als das Vaterland? Wohl vernehmen wir aller Orten das furchtbare

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