Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 212)
- Language
- German
- Belongs to
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199 deutsche Misere, daß Jeder nun eben seinen eigenen Kopf habe, daß jeder Deutsche am liebsten sein apartes Nationalfest feiern möchte. Aber siehe da, kaum daß wir es versahen, erhob sich mitten im Lande ein heißer Streit, der uns so recht daran mahnte, daß es den Menschen vorläufig noch nicht gegönnt und gegeben sei. Friedensfeste zu feiern. Als der Fremde lüstern nach unserm Kleinod langte, als er den deutschere Strom, der so lange Deutschlands Grenze an manchen Strecken gewesen war, ganz für sich begehrte, da verband der Uebermuth des Gegners die deutschen Stämme und überbrückte jede trennende Kluft. Selbst die einstige Zerklüftung war 1ms in diesem Moment günstig, denn sie hatte beim Feinde Hoffnungen erweckt, die ihn voreilig herauslockten, die ihn täuschten über unsere Stärke und ihn einer um so sicheren Niederlage Preisgaben. Nach vielhundertjähriger Spaltung sah der Patriot das kaum erwartete Schauspiel, daß in einem Heere Deutschlands Kraft vereinigt war, in einem Heere, welches den reinsten, den heiligsten Kampf auszufechten hatte. Ach, wie ein Traum ist diese Einheit im Geiste und im Gemüthe uns entschwunden; mag immerhin die geschichtliche Erkenntniß von der Nothwendigkeit uns zu überzeugen suchen dieses neuen Streites der Geister; das Blut regt sich uns dennoch, wenn wir diejenigen, die auf dem Schlachtfeld zulammenstanden, jetzt wider einander stehen sehen, als sei auch die Heimath ein Schlachtfeld. Mit Eisen war der Bau der deutschen Einheit zusammengeschmiedet; mit Blut waren die Stämme aneinander gekittet; und nun sollte er dennoch bersten und auseinandergerissen werden? Was ist das für ein elender Streit um Worte, wenn immer wieder gefragt wird: steht die Religion höher oder das Vaterland? Sind die Pflichteil des Bürgers wichtiger als die Pflichten, welche die Religion uns auferlegt? Sind doch Vaterland und Religion beides von Gott gesetzte Ordnungen, und. müssen demnach nothwendig entweder die Leiter des Staates oder die Diener der Religion in Jrrthum befangen 11■»!!1•e f'U iä> W' Knd |b־§;:;jj$©ie JUrt, Kgrüutlntteve lie und