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Israelitisches Predigt-Magazin · 1879-01-01 · 1 (1879) · p. Seite 169

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
5 (1879)
Issue
1 (1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 169 (sequence 182)
Language
German
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Tage oder Wochen, so kannten sie doch Stunden der Erhe- 1 Lung, da ihnen aller Glanz und Prunk werthlos schien gegenüber dem Frieden der Gerechten und Guten und Gottessürchtigen. Treu dem Brauche dieser Stadt haben wir diese Zeit begonnen ans dem Friedhose und nun schließen wir sie Mt einer Feier, welche der Erinnerung an die Heimgegan- ^enen gewidmet ist und die uns aufrichtet durch den Glauden an ein ewiges Leben. Sogar das Gebet um Regen, welches an diesem Tage im Gotteshause gesprochen wird und das, wie es scheint, uns ganz auf das Irdische weist, brin- .gen die Weisen mit der Lehre von der Unsterblichkeit in Verbindung; nicht nur dem deutschen Dichter war das Versenken der Saat zur Herbsteszeit und die Hoffnung, daß sie Zu neuer Herrlichkeit im Frühling aufsteigen werde ein Sinnbild jenes großen geheimnißvollen Vorganges, der aus dem Tode des Körpers das Leben des Geistes sprie- -ßen läßt. Schon die Alten reden von einem Himmels- Lhau, der die Seelen weckt; der Regen, der zur Winters- Zeit die Erde netzt, er wandelt und — wahrt und erhalt den Keim, der in die Furche ist gestreut worden. Dieses Räthsel auf Erden war dem Talmud ein Zeichen, wie Gott die Menscheu wieder aufleben läßt durch den Thau seiner Gnade. Die gescheidten Leute, die heut zu Tage leben, halten freilich nichts von solchem Lesen im Buch der Natur, wie es die Weisen des Talmud, wie es der deutsche Dichter getrieben haben. Nicht aus der Natur, nicht aus der eigenen Seele, nicht aus den Werken erhabener Denker wollen sie schöpfen; Verschüttet sind ihnen die Brunnen, sie trauen nur ihrem blöden Auge. Das ist nun auch des beschränkten Bauern fertige Klugheit, wenn er zu Markte kömmt: Allen zu mißtrauen; indeß auf dem Gebiete der höhern Lebenswahrheiten ist diese schlau sich stellende Geistesstumpfheit so häufig vertreten, daß die Ehre unseres Zeitalters dadurch empfindlich geschädigt wird. Für uns jedoch ist irdisches und geistiges Sein nur die verschiedene Erscheinungsform derselben Gottheit und sie erklären And ergänzen einander. Auch das Gebet um Regen, das

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