Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 183)
- Language
- German
- Belongs to
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170 wir am Schlußfeste sprechen, lasten wir nach der Deutung des Talmud gelten in dem doppelten Sinn, daß der Wolke die Fluth entströme, welche die Saat belebt und daß der Thau des Himmels auf die Seelen falle, daß sie aufleben im Lichte Gottes. — Und dieses Fest ladet uns nicht nur zur Erinnerung an die Heimgegangenen, welche uns persönlich nahe standen, es macht uns auch durch den Schriftabschnitt, welcher da verlesen wird, zum Zeugen des Heimgangs deffen, der unserm Volke der Nächste und der Theuerste ist, Mose, desgroßen Lehrers. Mose, so erzählt uns das Schlußwort der Thora, Mose segnet sein Volk und stirbt. Kein Prophet erstand seitdem, der ihm geglichen hätte, lehrt die Schrift undder Talmud fügt hinzu, auch vor ihm lebte Keiner, in dem Einsicht und Tugend einen so innigen Bund geschlossen hatten, denn in ihm. Auf Mose wendet er den Satz des weisen Königs: ״ רבות בנות עשו חיל ואת עלית על כולנהViele haben sich tüchtig erwiesen, du aber gehst über alle." Adam, so erzählt der Midrasch, sagte zu Mose: ״Ich bin größer als du, denn mich hat der schöpferische Hauch der Gottheit selbst in's Dasein gerufen; du aber bist vom Weibe geboren. Aber ein Engel wies ihn zurecht mit den Worten: ״Du hast die Hoheit, die dir Gott verliehen, durch deine Sünde verloren; Mose aber, der seine. Jugend unter Heiden verlebt hat, ist durch eigene Arbeit vorgedrungen zu den lichten Höhen der Erkenntniß: du bist stolz auf das, was du verloren hast, Mose darf es sein auf das, was er erworben hat." Und ist dieser Gegensatz nicht zu allen Zeiten unter den Menschen > hervorgetreten? Da thun die Menschen stolz, der Eine auf den ererbten Besitz, der Andere auf den ererbten Namen und §| überheben sich über diejenigen, die sich tüchtig und strebsam aus einfachen Verhältnissen emporringen. Wen erfreute es nicht, der Sproß zu sein eines edlen Geschlechtes und von Gu- W ten und Tüchtigen zu stammen? Nur darf der Ruhm der I jj Väter nicht ein weiches Psühl sein, auf dem wir ausruhen, E sondern ein Sporn, der uns treibt; jedes Geschenk der Gottheit wird nur gegeben um den Preis eines größeren Maßes