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Israelitisches Predigt-Magazin · 1879-01-01 · 1 (1879) · p. Seite 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
5 (1879)
Issue
1 (1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 163 (sequence 176)
Language
German
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der Sünde. Die Gewohnheit ist bei den Alten mächtiger als bei den Jünglingen. Die großen energischen Entschlüsse fallen denen schwer, in deren Adern das Blut langsamer fließt, das Unrecht wird alltäglich, und man verharrt darin aus Ohnmacht. Aber diese Büßenden hatten sich aufgerafft, sie wollen am Abend nachholen, was sie am Morgen versäumt haben. Die Menschen sind hierin unbittlich, sie vergessen kein Unrecht, und suchte auch Einer durch fünfzig Jahre eines reinen Lebens es aus der Erinnerung zu bannen; und auch wer in den Geschäften der Erde säumig war in den Mannesjahren, wer da nicht Geld und Gut und Ehren errungen, er wird schwerlich im spätern Lebensalter es nachholen. Gott jedoch läßt jederzeit sich finden. Sicherlich nicht ganz so heiter und freudig wie die Schuldlosen, aber dennoch der Gottesgemeinschaft froh, riefen sie: Heil unserm Alter, es sühnt unsere Jugend. Und dann vereinten sich beide zu einem mächtigen Chore und sangen: ״Wohl dem, der nie gesündigt hat, und wer gesündigt hat, er kehre um und Gott wird ihn aufnehmen." Das war der Jubel, von dem die Alten sagen, er hätte nicht seines gleichen gehabt. Die Melodien des Jomkippur, in vollen, mächtigen Tönen klingen sie hinein in das neue Fest, darum stimmen selbst die Büßenden ein in den Sang, darum scheuen sich auch die Frommen nicht, an dieser Lust theilzunehmen, darum schwingen sie die Fackel und führen den Reigen. So wenig steht die Lust im Gegensatz zum Jomkippur, daß sogar im Talmud berichtet wird: auch der Jomkippur sei, nachdem der Hohepriester das Sühnopfer dargebracht hatte, wie ein glänzendes Fest gefeiert worden und in Hellen Gewändern, alle gleich gekleidet, seien Jungfrauen und Jünglinge einander in Chören entgegengezogen. Das ist uns ganz unverständlich, aber mir scheint, das Räthsel schwindet vordem, der die Liebe, die innige Gemeinschaft mit Gott kennt. Der Fromme kann jederzeit und wol am ehesten am Jomkippur fröhlich sein, und dieses Fest der Wasserspende war nur eine Fortsetzung des in der ersten Hälfte des Tischrimonats Begonnenen. — An diesem Jubel.

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