Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 175)
- Language
- German
- Belongs to
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162 voran, mit Fackeln in der Hand den Reigen führend; hatte denn auch bei diesen der Jomlippur keinen Nachhall in den Gemüthern gefunden? O doch, denn unsere Weisen haben auch den Inhalt dieser Gesänge berichtet. Einige, heißt es da, sangen: ״Heil unserer Jugend, unser Alter wird nicht durch sie beschämt", und Andere sangen: ״Heil unserem Alter, unsere Jugend wird durch dasselbe gesühnt". Diejenigen, die sich einer reinen Jugend bewußt waren, die in den Jahren, wo das Blut so viele zu Thorheit und Sünde treibt, die Leidenschaft der jungen Seele auf die Ideale gewendet halten, die ein reines Herz bewahrt und einen reichen Geist gewonnen hatten in dieser Zeit der Prüfung, sie freuten sich, daß die Erinnerungen aus der Jugend keinen Schatten warfen auf die Tage des Alters, daß sie sich ihrer Jugend nicht schämen dursten. Zwar ist keiner rein von Schuld und gerade der Bessere empfindet um so eher die יסורין של צדיקים die Schmerzen des Frommen, das Gefühl der Unvollkommenheit, jenen Schmerz der Edlen nicht so viel Gutes wirken zu können, als sie gern möchten, weil neben dem Widerstand der Welt auch noch hin und wieder die Selbstsucht, der Ehrgeiz oder irgend eine andere unlautere Leidenschaft sich regt. Aber dieses Gefühl, daß wir zuweilen zu einem leichten Unrecht hingerissen worden sind, ist himmelweit verschieden von dem Schuldbewußtsein des Sünders, der sein ganzes Leben, wie es ja häufig geschieht, in den Dienst einer unlautern Leidenschaft stellt und seine Menschenwürde entweiht. Jene, Frommen, die jubelten: Heil unserer Jugend, unser Alter wird nicht durch sie beschämt, sie waren weder hochmüthig noch thöricht, daß sie sich für sündensrei gehalten hätten, aber da sie keiner Schuld sich bewußt waren, die dauernd das Gewissen quält und beängstigt, so waren sie fröhlich und priesen ihr Geschick. Jndeß auch die Büßenden jauchzten: Heil dem Alter, durch welches unsere Jugend gesühnt wird. Im Alter schwindet allerdings die Leidenschaft, die zum Bösen treibt; aber da kommt ein anderer Feind, der die Menschen fest hält im Garn