Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 174)
- Language
- German
- Belongs to
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f — 161 — ward ihnen Alles bereitet, was zu irdischem Genießen nothwendig ist; und nun zogen sie nach der heiligen Stadt, Freunde und Verwandte waren des Wiedersehens froh. Alles, was der Kunstfleiß hervorbrachte, war dort zu finden, den Ueberfluß seines Ackers konnte man dort am besten verwerthen, die Stadt selbst war reich und geschmückt und zudem eine Mutterstätte der Gelehrsamkeit und Bildung; wer in Israel ausgezeichnet war in Kunst und Wissen, er weilte in Jerusalem. Ans jedem Platz sprachen kundige Männer zum Volke; welche Lust für den Landmann, der eben die einsame Flur verlassen hatte! Mit den sinnvollen Symbolen, die noch heut Israel seinem Gotte in seinem heiligen Hause weiht, zogen sie nach dem Heiligthum; den Palmzweig und den Ethrog, die Myrthe und die Weide vereinten sie zu einem Strauße und priesen den Herrn, der die Natur so mannigfach und darum so schön geftaltet, daß sie blüht und duftet und Gaben spendet und jeden Sinn erfreut und erhebt. Aber am glänzendsten entfaltete sich die Fröhlichkeit am Abend, als der erste Festtag vorüber war, zum Feste der Wasserspende. Da wurden Lampen angezündet, daß Tages- Helle in der ganzen Stadt verbreitet wurde, so daß man in jedem Hofe von Jerusalem, wie es heißt, bei diesem Lichte Weizenkörner hätte lesen können. Und die Frommen und die werkthätigen Männer zogen mit Fackeln durch die Tempel- Hallen und tanzten und sangen, so daß das Sprichwort ging: ״Wer dieses Fest der Wasserspende nicht gesehen, der hat überhaupt noch keine Freude gesehen." So fröhliche Festesstimmung bemächtigte sich des Volkes, und es waren doch im Grunde nur wenige Tage verflossen seit Jomkippur, wo sie fastend und im Bewußtsein ihrer Schuld so recht den Ernst des Lebens sich vergegenwärtigt hatten; und es war nicht nur die Jugend, die sich solch' rauschender Lust ergab, es waren die Alten, die Frommen, die werkthätigen Männer. Und die Frommen und die Büßenden, die durch Werke der Liebe begangene Schuld sühnen wollten, zogen Allen R ahmer, Israelitisches Predigt-Magazin. V. Jhrg. Heft 3. u. 4. 11