Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 170)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nun wohl, wir sind alle Kriegsleute, das Leben ist der׳ Kampfplatz, die Waffe aber ist die Religion. Was Wunder^ daß sie den Menschen lieb und werth ist; denn sie ist ein köstlicher Besitz, wenn die Klinge glatt und scharf ist, wir können da die bösen Feinde, welche unserem Glücke, welche unserer Seele drohen, tödtlich treffen. Aber eine so treffliche Waffe, sie soll auch äußerlich recht zierlich sich darstellen. Wir möchten sie schmucken mit dem Schönsten und Besten, was wir unser eigen nennen. Wir möchten die Religion mit allem Pomp und Prunk umgeben; — aber vergessen wir es nicht,, wir können am Schwerte nur den Griff und nicht die Klinge schmücken, und der Krieger giebt sich dem Spotte Preis, der die Schneide rosten läßt, während der Griff von Edelsteinen leuchtet. So kommen auch wir, und wenn wir noch so Herrliche Gotteshäuser ausrichteten und wenn wir den Gottesdienste noch so herrlich ausgestalteten, hiermit nicht über die Aeußerlichkeiten hinaus. Das Nothwendigste, ja das einzig Noch-- wendige bleibt das gläubige Vertrauen, bleibt die Weihe der Seele; wen dieser Tag der Versöhnung mit all den Erinnerungen und Hoffnungen, die an ihm durch die Seele ziehen, nicht aus der Niedrigkeit herausreißt und zu den Höhen des Lebens trägt, der feierlichste Gottesdienst, und vereinten sich alle Künste um ihn zu verschönen, vermöchte es nicht, ihm den Dunst und die Nebel, die seinen Geist um־' hüllen, zu verbannen. Denn verwechseln wir nicht das blos ästhetische Wohlgefallen mit der wirklichen Erbauung und Erhebung des Herzens. Der Glaube, sagt der Dichter, gebiert das Schöne und Herrliche. Aber das Schöne und Herrliche gebiert noch, nicht den Glauben. Er allein aber ist die Waffe, mit der ausgerüstet wir den Kampf des Lebens siegend bestehen. Wir haben uns in dieser Zeit daran gewöhnt über von. den Vätern ererbte Bräuche gering zu denken, und wir werfen sie bei Seite. Aber seltsam, dieselben Menschen, die stets den Geist und das Wesen der Religion im Munde führen und alten Brauch verachten, schwärmen für die modernen For-