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Israelitisches Predigt-Magazin · 1879-01-01 · 1 (1879) · p. Seite 153

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
5 (1879)
Issue
1 (1879)
Date
1879-01-01
Page
Seite 153 (sequence 166)
Language
German
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153 gleichsam der Hebel, mit dem wir das Gold aus den Tiefen der Seele an's Tageslicht ziehen. Die Schätze blieben ewig in den Tiefen, Keiner erführe etwas von ihrem Dasein, Keinem wären sie nütz. Der Demant, der nicht an's Licht der Sonne kommt, ist nichts Anderes als Kohle. Es mag sein, daß es weiche Herzen giebt, die den Schmerz ihrer Umgebung mitfühlen, mittragen, die offen und empfänglich für die Eindrücke der Außenwelt mitleiden unter den Schlägen, von denen Hre Nebenmenschen betroffen werden; sie standen dabei und hätten den Schlag wehren und abwenden können, aber als sei keine Verbindung zwischen dem Nerv, welcher ihr Herz und dem Nerv, welcher ihre Hand bewegt, ließen sie alles geschehen; vielleicht, daß sie ihr Herzblut dabei verloren, aber was frommte das dem Leidenden, der weniger Mitleid als Hilfe begehrte. Beklagenswerth sind Leute dieser Art, die wir nicht Menschen, sondern menschliche Ruinen nennen möchten. Wie vom Starrkrampf gefesselt sehen sie und sühlen sie alle Vorgänge in ihrer Nähe, aber wie entsetzlich es ihnen auch wäre, sie können es nicht ändern, denn Hand und Mund, olle Glieder sind ihnen gebunden. Es sind das gute, treue, biedere Menschen, und wer ihnen ins Herz sieht, der wird sie lieb gewinnen trotz ihrer Schwäche; aber ihnen fehlt doch der Lebensnerv, der Trieb zur Thal. Auch die Erregung unserer Seele auf bein Friedhof wäre nicht viel mehr als eine leere, nutzlose Wallung des Blutes, wenn sie nicht zu Thaten uns triebe, die unseren Empfindungen entsprechen. Die Lehre die uns der Friedhof sür's Leben giebt, heißt kurz: W o h l t h u n. Wie oft, wenn wir an Gräbern stehen, beschleicht uns ein brennendes Gefühl der Reue, daß wir denen, an denen unsere Seele hing, dennoch so manche trübe Stunde, rnanch ernsten Kummer bereitet haben, und wir müssen bekennen: ich habe dich geliebt mit jeder Faser meines Herzens, und dennoch dir weh gethan, ich hätte dir getrost mein Leben zum Opfer gebracht, aber wie oft habe ich meinen Eigensinn dir nicht geopfert, du warst mein Kleinod und ich habe dich dennoch gekränkt, und nun bist du hinübergegangen, und jedes

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