Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 5 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 165)
- Language
- German
- Belongs to
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152 erschüttert von bannen; wer aber schwach und haltlos hier Eintritt, der scheidet von ihr gestärkt und gehalten. Ewiger Gott! ״Du hast uns Hartes schauen lassen, du ließest uns trinken vom Kelch, der uns betäubte;" dunahmst unseres Lebens Zier und schicktest Winterfrost über die Frühlingsblüthen. Du gabst uns Fröhlichkeit über Gebühr, und hast uns Schmerz gesendet nach dem Maaße unserer Sünde. Du ließest über uns die Sonne deiner Gnade aufgehen in Hellem Glanze und hast sie jäh und unversehens wieder unlergehen lassen. Wir danken für die Sonnenblicke deiner Liebe und beten, daß du uns führest durch die Nacht der Noth. ״Du gabst deinen Frommen ein Banner, daß sie sich erheben um der Wahrheit willen." Heil dem, der ständig fürchtet, der es weiß, daß unser irdisch Sein einem Bote gleicht auf stürmischer See. Aber deine Wahrheit ist die Leuchte, die uns zur Heimath führt. ״Ewiger Gott, du führst die Einsamen zur Heimath, du bringst Gefesselte zur Seligkeit. Nur die Verstockten bleiben in der Oede. Du bist mein Hort, ich suche dich, nach dir sehnt sich mein Geist, nach dir lechze ich in diesem dürren öden wasserlosen Lande." Deine Liebe ist besser denn das Leben; meine Lippen wollen dich rühmen auch in Engniß und Drang, und geduldig tragen, was dein Zorn über uns verhängt hat, dein Zorn, der nur ״die Trauer ist, daß du uns nicht beglücken kannst." Wir seufzen, aber wir murren nicht, wir klagen, aber wir beklagen uns nicht. Dein Wille geschieht und wir sagen demuthsvoll: Dein Wille gefchehe. Furchtlos ist, wer dich fürchtet, und das stärkste Herz ist ein gebrochenes. Richte auf, wer sich vor dir beugt und gib Frieden den Tobten und den Lebenden. Amen. Wir sprachen bisher von der Erschütterung und der Tröstung, welche diese Stätte spendet; aber das trifft nur unser Gemüth; indeß die Stimmung unseres Gemüthes hat nur in sofern Werth, als sie uns zu bestimmten Handlungen anregt. Wäre unser Sinn noch so rein und edel und es fehlt uns die Thatkraft diesen reinen und hehren Empsindungen einen Ausdruck in unserm Handeln zu geben, es fehlte uns